Warum in die Ferne schweifen? Vom Glück des Daheimseins.

Heute war ein ganz normaler Tag. Arbeit, Kinder, Haushalt, das übliche. Aber ich habe das Alltägliche heute anders wahrgenommen. Ich bin oft genug mit irgendetwas unzufrieden, ungeduldig, will raus aus dem Haus. Aber eine E-Mail am Nachmittag rückte alles in ein anderes Licht. Es sind die kleinen Freuden, für die man jeden Tag dankbar sein sollte, die scheinbaren Selbstverständlichkeiten. Man muss gar nicht so weit gehen, um das Glück zu suchen – man muss es nur sehen. Im ganz normalen Alltag.

Der Tag begann damit, dass die Sonne schien. Das tut sie schon seit einiger Zeit und genügend Leute meckern über die Hitze – aber ich fand den blauen Himmel am Morgen ganz großartig. Auch der Kleine, der kaum wach zu bekommen war, brachte mich nicht aus der Ruhe. Ich nahm mir sogar noch die Zeit, auf dem Weg zur Arbeit beim Bäcker einen Latte Macchiato zu kaufen. Erfreulicherweise hatte sich die nette Bäckersfrau kurz vor meiner Bestellung auf der Kaffeemaschine verdrückt, so dass sie vor einer halben Minute bereits einen Latte produziert hatte, den sie mir ein paar Cent günstiger gab. Mir war’s recht. Zeit und Geld gespart und die fleißige Kuh hat ihre Milch nicht umsonst abgegeben.

Als ich an der Uni ankam, fand ich trotz der etwas fortgeschrittenen Zeit einen super Parkplatz in der Nähe des Eingangs zum Botanischen Garten. Und dann lief ich durch diesen schönsten Teil des Campus zu meinem Schreibtisch. Es war so idyllisch und friedlich. Wie gerne wäre ich noch eine Stunde dort geblieben, um etwas zu lesen. Aber unsere Befragung muss fertig werden und in der heutigen Arbeitsbesprechung sollten eine Kollegin und ich eine kleine Präsentation halten. Es war also reichlich zu tun. Bis zum Feierabend habe ich längst nicht so viel geschafft, wie ich mir vorgenommen hatte – aber das war heute irgendwie okay.

Nach der Arbeit holte ich den Kleinen vom Kindergarten ab. Alle trafen sich kurz daheim, bevor die Sportler wieder weiterzogen. Weil es so warm war, baute ich das kleine Planschbecken im Garten auf. Junior fand es spitze und vergnügte sich dort 40 Minuten lang.

Man muss gar nicht immer unterwegs sein! Warum denn gleich ins Freibad? Oder sonstwohin? Einfach mal an den kleinen Dingen erfreuen, die einem so selbstverständlich erscheinen, aber eigentlich gar nicht selbstverständlich sind: Die Zeit zum gemeinsamen In-der-Sonne-sitzen, ein paar Kekse knabbern können, wann immer man Lust darauf hat, ein schönes Lied im Radio, nette Nachbarn für einen kleinen Plausch, ein kühles Getränk,… Wenn du dir nun denkst, dass du ohnehin jeden Tag froh über all das bist, was dich umgibt, dann gratuliere ich dir! Bei mir ist das etwas anders, denn ich bin relativ ungern daheim. Ich will ganz oft lieber woanders sein. Denn daheim gibt es immer etwas zu tun: Zu putzen, aufzuräumen, zu reparieren. Die Arbeit hört nie auf. Und zugleich habe ich oft das Gefühl, daheim zieht das Leben nur an mir vorbei. Mir fällt sehr schnell die Decke auf den Kopf. Heute habe ich mich aber auf den Wert unseres Zuhauses besonnen, denn es erreichte mich eine Nachricht, die mich den ganzen Tag über sehr beschäftigt hat: Eine liebe Ex-Arbeitskollegin und ihre Familie haben ihr Hab und Gut letzte Woche durch einen Wohnungsbrand verloren. Gott sei Dank ist niemandem etwas passiert, aber natürlich sitzt der Schock noch in den Knochen. Da will man heim gehen und kann es plötzlich nicht mehr – eine schreckliche Vorstellung! Wohin nun? Gut, dass auf die Familie zumeist Verlass ist, die lässt einen nicht im Regen stehen, sondern gibt einem ein Dach über dem Kopf. So trendy es derzeit auch ist, seinen Besitz auf das Wesentliche zu beschränken und mit wenig auszukommen – auf diese Art und Weise will man sicherlich nicht „ausmisten“. Ich soll euch ausrichten: Schließt eine Hausratversicherung ab, wenn ihr – wie wir – noch keine habt!!!

Wie schnell sich alles ändern kann und wie zerbrechlich unser friedlicher Alltag ist! Wie verwöhnt die meisten von uns doch vom Schicksal sind, dass unsere „Sorgen“ oftmals nur Jammern auf hohem Niveau sind! Wir können uns so glücklich schätzen: über unser Zuhause, über gesunde und unproblematische Kinder, einen ordentlichen Job, ein freies Leben mit ganz vielen Wahlmöglichkeiten.

Wir sollten die Augen offen halten und auch das Glück in den kleinen Dingen sehen. So wie unsere Sportsmaus heute, die mit einer ganzen Menge vierblättriger Kleeblätter vom Fußballplatz zurück kam. Und wie unser Kleiner, der seine Abkühlung in unserem wirklich sehr überschaubaren Planschbecken sichtlich genossen hat. Ganz ohne viel Aufwand, ganz ohne in die Ferne zu schweifen – denn das Gute liegt so nah!

Und deshalb gab es heute statt eines Ausflugstipps ein kleines Plädoyer auf das scheinbar ganz unspannende Daheimsein. Genießt es!

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