Mit einem Geburtstagskind, Kopfweh und buddhistischer Lehre im Mainzer Taubertsbergbad!

Von Montag auf Dienstag hatten wir sechs Mädels im Haus, die mit unserer Großen deren 10. Lebensjahr mit einer Übernachtungsparty beschließen wollten, natürlich mit Geburtstagsfrühstück am nächsten Morgen. Das war ein Trubel! Abends um 23 Uhr wurde tatsächlich noch eine DVD eingelegt und Popcorn gefuttert. Um 2 Uhr begaben sich endlich auch die letzten Damen zur Ruhe. Ich schlief da glücklicherweise schon mit unserem Kleinen im Bett, was auch wirklich nötig war, denn meine Erkältung nervte noch immer und zudem hatte ich Kopfschmerzen, die sich auch nicht mit Tabletten bekämpfen lassen wollten. Ich war wirklich platt. Aber die Mädels waren sehr zufrieden, glaube ich. Und das war natürlich das Wichtigste.

Nachdem die Übernachtungsgäste gegen Mittag wieder vor die Tür gesetzt worden waren und wir uns bei ein paar altmodischen Pipi-Langstrumpf-Folgen zumindest in Ansätzen erholt hatten, blieb noch reichlich Geburtstag übrig. The show must go on! Bereits seit geraumer Zeit hatte ich die Freundin aus Finthen für unsere Große „reserviert“. Nur das Programm fehlte noch. Beim Frühstück wurde schließlich die Entscheidung getroffen: „Ich hätte Lust auf Schwimmbad!“ Oh, ich hab es befürchtet. Aber gut, wenigstens am Geburtstag wollte ich nun nicht der schwimmbadscheue Spielverderber sein, sondern packte klaglos die Badesachen ein. Zur Abwechslung wollten wir ins Taubertsbergbad gehen, dessen Freibad weder die Mädels noch ich kannten. Mit meinem Liebsten war ich zu Studentenzeiten dort öfter saunieren. Nun sind die Sauna und auch das Freizeitbad seit geraumer Zeit nicht nutzbar, weil sie renoviert werden. Aber neben dem Sportbad ist immerhin das Freibad offen. Wir waren gespannt, was uns dort erwartet.

Der erste Eindruck war jedenfalls positiv: Viele schattenspendende Bäume. Ein kleiner Imbiss mit Sitzgelegenheiten im Eingangsbereich, direkt neben dem Kleinkindbecken. Und es war um 15:30 Uhr, als wir kamen, auch nicht allzu voll. So platzierten wir unsere Picknickdecke direkt mit Blick auf den kleinen, ebenfalls im Schatten gelegenen Spielplatz, das Kleinkindbecken und die Futterstation. Perfekt, finde ich.

Die Mädels sind natürlich gleich losgezogen und erkundeten den Rest der Anlage. Ich fand sie dann im Schwimmerbecken, wo sie von den Startblöcken sprangen. Richtige Sprungbretter gibt es im Freibad leider nicht. In dieser Hinsicht hat das Nieder-Olmer Freibad also mehr zu bieten. Insgesamt – so kam bald die Kritik – war den Mädels das Wasser eindeutig zu kalt. Überraschend, weil es nun ja bereits mehrere Tage lang wirklich heiß war und wir erst am späten Nachmittag angekommen waren. Wie kalt ist das Wasser dann bei weniger idealen Voraussetzungen?

Der Kleine war ebenfalls nicht ewig beim Planschen, hatte aber seinen Spaß, als er zunächst durch das Kleinkindbecken spurtete und später mit seinen Schwimmflügelchen eine Runde im Nichtschwimmerbecken drehte, wo er mutig vom Rand ins Wasser hüpfte.

Die drei Kids hatten ein schönes Picknickdeckenprogramm für sich in der Badetasche entdeckt: ein Trumpf-Kartenspiel mit krassen Fahrzeugen. Da hatte der Kleine etwas zum Staunen und die Großen waren ebenfalls eine Stunde lang damit beschäftigt, sich gegenseitig mit Drehzahl, Gewicht und Geschwindigkeit der Flitzer zu überbieten.

Zwischendurch gab es natürlich auch ein Geburtstagseis für alle und einen Kaffee für den Papa. Und zum Abendessen ein paar Pommes mit Currywust. Alles war geschmacklich und preislich im grünen Bereich. So wie auch der Schwimmbadeintritt. Für die Familienkarte (2 Erwachsene und 2 Kinder) hatten wir 10,50 Euro bezahlt. Dazu kam noch das Parkhaus mit 4 Euro. Es gibt wirklich teurere Aktivitäten.

Am Ende des Tages war ich froh, dass ich mit meiner Schnupfnase dem Wasser heute wieder fern bleiben konnte bzw. eigentlich nur mit den Füßen im Kinderplanschbecken war, was mir völlig ausreichte. Eine halbe Stunde lang hatte ich unsere Decke auch ganz für mich allein. Nur ich und meine Zeitschrift, die ich von meiner Mutter am Wochenende übergeben bekommen hatte. Schwerpunktthema der „Ursache/Wirkung“ übrigens: Gelassenheit. Es gab einen interessanten Leitartikel, den ich mir an diesem Nachmittag – trotz brummendem Kopf – durchlas, um vielleicht etwas daraus zu lernen. Dort erfuhr ich, dass mein Lieblingsgebet, das ich damals mit etwa 14 Jahren im Roman „Zwei Frauen“ erstmals gelesen hatte, von Papst Johannes XXIII. stammen soll:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Damit ist fast alles gesagt und gewünscht, was wesentlich ist, finde ich. Obwohl mich dieses Gebet also schon lange begleitet, habe ich es noch nicht so richtig hinbekommen mit der Gelassenheit. Dennis Johnson legt in seinem Beitrag dar, dass die „unerschütterliche Befreiung“ letztlich aus den vier „unermesslichen Geisteshaltungen“ hervorgeht, die in jedem Menschen angelegt seien, aber kultiviert werden müssen: Freundlichkeit – Mitgefühl – Freude – Gleichmut.

Er schreibt weiter: „Diese vier unermesslichen Geisteshaltungen werden gerne mit den Beziehungsqualitäten einer Mutter zu ihrem Kind verglichen. Freundlichkeit ist nährend. Mitgefühl trägt Sorge wie eine Mutter um ihr krankes Kind, bereit, alles zu tun, um dessen Schmerzen zu lindern. Die Freude ist entzückt wie eine Mutter über die Entwicklung und den Fortschritt des Kindes. Und Gleichmut verzichtet auf jegliche Kontrolle und bleibt wohlgesinnt und unterstützend wie eine Mutter, die weiß, dass ihr Kind seinen eigenen Weg geht.“ (Dennis Johnson, 2018: Gelassenheit als Übung, in: Ursache/Wirkung. Achtsamkeit, Meditation, Ethik, Nr. 104, S. 12)

Muttersein trainiert also quasi die aus Sicht des Buddhismus besonders relevanten Geisteshaltungen und hilft irgendwann tatsächlich dabei, gelassen durch die Wogen dieser Welt zu gleiten – um eine Schwimmbadmetapher zu verwenden 😉 Nun ja, in meinem konkreten Fall hieß das heute, dass ich es recht gelassen hinnahm, als unser Junior zunächst auf dem Rückweg einschlief (was mein Plan gewesen war, in der Hoffnung auf einen ruhigen Abend), dann aber am späten Abend wieder wach wurde, als ich eigentlich in Ruhe neben ihm im dunklen Schlafzimmer rumliegen wollte, um meine nervigen Kopfschmerzen wegzuschlafen. So standen wir also wieder auf, gesellten uns zu den anderen ins Wohnzimmer und nahmen die letzten Geburtstagsanrufe entgegen. Später gab es noch zwei Pixi-Bücher als Gutenacht-Geschichten – interessanterweise wählte der Kleine „Oscar hat Rüsselitis“ und „Isa geht zum Arzt“ aus, also lauter Krankengeschichten. Dann irgendwann war auch dieser Tag geschafft.

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