Lache und lerne für’s Leben – mit Impro-Theater!

Am Montagabend lockte ich meinen Liebsten auf den Unicampus – zum Improtheater! Wir liiiieben Improtheater! Und „Die Affirmative“ sind eine bewährte Truppe, die immer wieder für wunderbare Unterhaltung sorgt. Am vergangenen Montag spielten Steffen, Claudia, Thomas und Paul auf der kleinen Freilichtbühne vor dem Kulturcafe – im Anschluss an den Writing Slam, den ich zuvor besucht hatte (hier könnt ihr mehr lesen). Da soll nochmal jemand etwas gegen den Montag sagen! Man muss sich so einen Montag eben einfach schön machen, dann kann er mit jedem Samstag mithalten 🙂

Die kreativen Leute der Affirmative beeindruckten bereits zu Beginn, indem sie in 60 Sekunden ihren Tod spielten, pantomimisch mit drei vom Publikum mitgebrachten Gegenständen. Einem Würfel, einer Hupe und einem Schwert. Nun könnt ihr mal selbst überlegen, was euch dazu einfällt… Bei dieser Aufgabenstellung wurde schon das Motto des Improabends deutlich. Nein, nicht Sterben. Das Motto lautete „Bring your thing!“ Und es war wahrlich ein voller Gabentisch, der bereit stand, um für Inspiration zu sorgen.

Grandios in der ersten Halbzeit: Eine Luftschlange führte die Truppe auf eine Party. Eine Physikerparty (eine Zuschauerin studierte zufällig Physik). Nun hat dieser Umstand auch so schon genügend Potenzial, aber beeindruckend wurde es dadurch, dass die drei Mitwirkenden jeweils einem anderen Affirmative-Mitglied ihre Stimme liehen. Claudia sprach also Thomas, Thomas sprach Steffen und Steffen wurde zu Claudias Stimme. Mein Kopf wäre dabei vermutlich explodiert. Bei den drei Affirmativen kam hingegen eine schöne Momentaufnahme dieser Party mit drei ganz speziellen und trotz ihrer Überspitztheit glaubhaften Charakteren heraus. Die haben es einfach drauf.

Und so ging es den ganzen Abend weiter. Wir saßen da, lachten und staunten. Es sind auch ganz kleine, eigentlich banale Geschichten entstanden, die dennoch toll waren. So wie das „Puppentheater“, das eine chinesische Winkekatze und eine Hundefigur mit Queen-Elisabeth-Maske bestritten. Beide waren vorwiegend mit Seilspringen beschäftigt. Aber das alles war so herrlich absurd und dennoch zugleich absolut schlüssig!

Ich war schon ewig nicht mehr im „richtigen“ Theater. Wir sind wahre Impro-Fans geworden und haben uns im letzten Jahr gemeinsam mit einigen Freunden auch daheim schon unter Anleitung von Miriam, die bei Coucou mitspielt, in dieser hohen Kunst versucht. Man lernt viel beim Impro. Und es sind Botschaften für’s Leben, die Miriam uns mit auf den Weg gegeben hat. Die Kernbotschaft: Locker machen! Klar. Aber auch: Keine Angst vor Fehlern haben und aufhören, ständig zu hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen. Es muss nicht immer alles unglaublich kreativ sein, was man sich ausdenkt, denn kreativ werden die Szenen durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Menschen, die naturgemäß unterschiedliche Gedanken haben. Die Verantwortung liegt nicht nur bei einem selbst, sondern man versucht die Geschichte gemeinsam zu entwickeln. Und das war eine andere wesentliche Regel: Arbeitet zusammen und lasst eure Mitspieler immer gut aussehen! Niemals jemanden auflaufen lassen oder die Entscheidungen des Mitspielers in Frage stellen, sondern alles annehmen, was passiert und das Beste daraus machen. Tipps, die man auch im „echten Leben“ beherzigen sollte, in dem wir doch alle oftmals total verkopft sind und meinen, stets alles „perfekt“ machen zu müssen. Doch wo bleibt da der Platz für freudige Überraschungen und das Beschreiten neuer Wege?

An diesem Montagabend spielte die Affirmative auch eine längere Episode, die durchaus einen gewissen Tiefgang hatte: Ein brandenburgischer Fliegenfischer träumt davon, ein Perlentaucher zu werden (so die Vorgaben aus dem Publikum). Er begegnet Seeungeheuern, die ihn verspeisen wollen, folgt dem Rat seines verstorbenen Großvaters, von dem seine Kumpels nichts halten („Du bist ein kluger Kerl – aber dein Opa war’s net!“) und am Ende wird er gerettet – mit der ertauchten Perle in der Hand. Eine kleine Heldengeschichte, die oftmals skurril war, aber dennoch mitreißend. Sie endete mit dem Satz: „Da wo wir jetzt stehen, ist jedes Zurück ein Nachvorne.“ Hat eigentlich überhaupt keinen Sinn gemacht, klang aber großartig und rund. Zauber des Impro-Theaters…

Was für mich persönlich immer eine wichtige Botschaft an solchen Abenden ist: Nimm dich selbst nicht so ernst, sondern sei einfach Teil einer möglichst guten Geschichte. Ein Guru unserer Zeit formulierte ein schönes 11. Gebot, an das ich eben denken musste:

„Du sollst Gott nicht langweilen!“ (Veit Lindau)

Wer nun Lust hat, die Affirmative selbst zu sehen: Am 18. Juli gibt es um 19 Uhr ein Open-air-Impro im Eulchen Schlossbiergarten Mainz. Und falls ihr keinen Babysitter habt, besucht ihr ein paar Tage später alternativ den Auftritt für die ganze Familie, am 26.7.18, um 16 Uhr auf dem Mainzer Marktplatz. Vielleicht sehen wir uns dort!

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