Allein daheim – heute beginnt mein „Heimurlaub“

Nun sind alle ausgeflogen: Die Große ist seit Montag im Zeltlager und heute sind auch meine Jungs losgezogen, um ein paar Tage in Bulgarien zu verbringen. Ich hüte das Haus. Und finde es prima.

Ganz unterschiedliche Menschen blickten mich etwas verwirrt an, als ich ihnen davon erzählte, dass ich all meine Lieben in die Ferne geschickt habe. Ja, es war mein ausdrücklicher Wunsch, ein paar Tage allein daheim zu sein. Nein, ich wollte nicht mit in die Ferne fliegen. Und ich wollte auch nicht allein verreisen. Das Allein-daheim-Sein ist das Reizvolle: Ich freue mich über diese Zeit voller Freiheit. Kommen und gehen, wann ich mag. Schlafen und wach sein, wann ich mag. Faul sein oder fleißig sein, ganz wie ich mag. Niemand, der Chaos verursacht – außer mir selbst. Für alle Menschen ohne Familie oder Partnerschaft ist das der Normalzustand und sicherlich wünscht sich so manch einer, dass es anders wäre. Aber ich finde es eine hübsche Abwechslung, auf niemanden Rücksicht zu nehmen, sich um nichts kümmern zu müssen, sich nicht abzustimmen,… Naja, ich gehe ab Montag wieder brav an meinen Schreibtisch im Büro, zu urlaubig wird es hier also auch nicht. Aber du verstehst, was ich sagen will, oder?

Ich hatte natürlich schon seit Wochen ein paar Ideen, was ich mit meinen freien Tagen anfangen will. Zunächst hatte ich damit geliebäugelt, nach Kassel zu fahren, weil ich schon ewig ins Museum für Sepulkralkultur möchte. Aber dann war es mir ehrlich gesagt zu aufwändig. Plan B war das kleine Museum für Zeit in Rockenhausen gewesen. Da hätte ich gerne einen guten Freund mitgenommen, um dort noch die Gegend zu erkunden. Der hatte aber leider dieses Wochenende keine Zeit. Und so schlichen sich pragmatische Pläne ein: Ich könnte mich ein wenig um diverse Hausprojekte kümmern. Unser Sofa löst sich in Luft auf (Kunstleder – nicht zu empfehlen!), unser Schlafzimmer wünscht sich noch einen schönen (Schreib-)Tisch, der eine Kellerraum müsste mal wieder aufgeräumt werden,… Außerdem soll morgen noch ein Kuchen für die Zeltlagerkinder parat stehen, den der Pfarrer dann mit dorthin nimmt. Und unsere Nähmaschine ist gekommen. Die wollte ich doch auch so gerne testen…

So kam es, dass ich meine Jungs um kurz vor 9 Uhr in den Zug setze, dann wieder heim fuhr und erst einmal die regulären Einkäufe erledigte, insbesondere auf Grund der Kuchen-Mission.

Um 10 Uhr war ich mit einer Freundin verabredet. Ich wollte die Möbelfragen endlich wieder angehen und mich den ungelösten Problemen stellen. Mein Lösungsansatz lautete heute IKEA, nachdem ich gestern mit dem Kleinen schon zwei andere Möbelläden erfolglos abgeklappert hatte. Ich versprach mir nicht allzu viel davon, aber Probieren geht über Studieren… Erfreut stellte ich fest, dass es tatsächlich einige ansprechende (Schreib-)Tische gab, womit ich nach meinen im Vorfeld getätigten Internetrecherchen gar nicht gerechnet hatte. Dennoch: Der IKEA-Streifzug war nicht besonders entspannend und hatte wenig mit Urlaubsfeeling zu tun. Wir kamen wegen unseres vorherigen Abstechers in ein großes Sportgeschäft nebenan und wegen des Anschlusstermins meiner Freundin auf einmal ziemlich in Zeitnot und ich hätte vermutlich noch mindestens eine Stunde länger benötigt, um mir Gedanken darüber zu machen, welche Anschaffungen nun genau sinnvoll sind. Zugleich hätte sich das wahrscheinlich auch wieder negativ auf meine Stimme ausgewirkt, weil ich meistens irgendwann ganz unzufrieden werde, sobald Kaufentscheidungen viel Zeit in Anspruch nehmen. Und ich tat mir zugegebenermaßen schwer mit den Entscheidungen, die sich stellten. Was soll nun mit nach Hause kommen und was nicht?

Am Ende wurde es ein Schreibtisch. Hoffentlich „der Richtige“. Und zudem ein paar Meter Stoff, mit denen ich unser Sofa retten wollen würde, wenn ich wüsste, wie ich eine ordentliche Decke daraus nähen kann. Der Stoff ist leider nicht besonders dick. Daheim kamen mir zudem Bedenken, ob es so klug war, einen Stoff zu wählen, dessen Hintergrund weiß ist. Das war mir vor lauter Eile und Freude über die Farben des Musters im Laden gar nicht so recht bewusst gewesen.

Wieder daheim ging es ans Auspacken der Einkäufe und auch unserer neuen Nähmaschine, welche die Post gestern gebracht hatte. Die steht nun auf dem Tisch und sieht schön aus. Getestet habe ich sie aber noch nicht. Dafür brauche ich dann richtig Muse, denn ich habe bislang gar keine Ahnung, wie man vorgeht und auf was zu achten ist. Und eigentlich wollte ich mich ja auch entspannen in meinem Heimurlaub! Und so hab ich etwas für mich wirklich ungewöhnliches getan: Ich habe um 17.30 Uhr begonnen, einen Film zu schauen. Und zwar – bitte festhalten – auf Französisch. Mit deutschem Untertitel, weil ich überhaupt kein Französisch kann. Dazu gab es Hühnerfrikassee und Reis vom Vortag. Und eine Nektarine zum Nachtisch.

Danach packte mich der nächste Rappel: Ich muss raus! Ich muss doch noch Spazieren gehen! Jetzt, wo ich doch Zeit habe und einfach gehen kann, wann ich mag. Um kurz vor 20 Uhr bin ich somit noch eine Runde durch die Weinberge gezogen, in den Sonnenuntergang hinein. Hab dann dort auf einer Bank noch drei Seiten gelesen, bis es überraschend kühl wurde und mich wieder die Unruhe ergriff. Es ist gar nicht so einfach, das Alleinsein zu genießen. Da ist so ein Druck, mit der doch übersichtlichen Zeit, die einem zur freien Verfügung gestellt wird, ganz großartig umzugehen und sie super zu nutzen. Entspannen auf Kopfdruck und zugleich die Vorstellung, endlich erledigen zu können, was lang genug warten musste. Hm.

Zum Tagesabschluss hab ich die Brownies für die Zeltlagerkinder angerührt. Und morgen kommt mein lieber Schwiegerpapa und baut mit mir den Schreibtisch auf, den ich schon weitgehend in seinen Kleinteilen ins Haus getragen habe. Eine Wäsche ist gewaschen, das Wohnzimmer gekehrt, die Spülmaschine umgeräumt,… und mit den Jungs hab ich auch telefoniert. Sie sind gut in ihrem Urlaubsdomizil angekommen und haben ein schönes Zimmer mit Meerblick. Das Essen war allerdings wohl nicht so doll. Und sowieso ist mein Liebster nun ziemlich müde. Das Alleinerziehendendasein fordert einen eben noch einmal extra. Und da ist es wieder, was eigentlich nie weg geht und weshalb ich mich wahrscheinlich auch in der Freiheit dieser freien Tage nie so richtig frei fühlen werde: Das schlechte Gewissen…

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