Kino-Zeit! Und schon bin ich wieder 16…

Ein leerer Samstag im Kalender kommt selten vor. Doch da war er! „Den schnappe ich mir!“, war mein Gedanke am Freitag und so präsentierte ich meinen Lieben das Programm für diesen grau-kühlen Augustvormittag: Die Mädels gehen ins Kino! Die Jungs… machen was auch immer 😉

Ich hatte so Lust auf Kino! Schon vor einigen Wochen guckten wir den Trailer zu „Meine teuflisch gute Freundin“ im Internet, als die Große einen Film für einen Kinonachmittag mit ihrer Patin aussuchte. Da entschied sie sich für „Liliane Susewind“. Die Geschichte von der teuflisch bösen Freundin ließ ich mir für einen gemeinsamen Kinobesuch reservieren. Und endlich kam nun die Gelegenheit dafür. Ich war mindestens so vorfreudig wie unsere Süße. Sie kommt eher selten ins Kino. Etwa so selten wie ich. Und das ist: definitiv zu selten. Zudem muss ich gestehen, dass ich mich ganz speziell auf DIESEN Film gefreut habe. Eine Teenie-Komödie. Mit erster Liebe. Identitätsfindung. Der ewigen Frage nach dem Guten und dem Bösen.

Es ist so schön, wenn die Kinder älter werden! Ich konnte mich zwar auch gut mit den diversen Disney-Prinzessinnen anfreunden und habe bei „Die Eiskönigin“ ganz sicher noch viel mehr mitgelitten als unsere damals 5jährige, die zum ersten Mal im Kino war. Aber die Filmauswahl wächst mit zunehmendem Alter. Nun ist sie 10 und man kann quasi schon Erwachsenenfilme zusammen schauen. Seitdem sie sich den Untergang der Titanic mit Kate und Leo in seiner epischen Breite angeschaut hat, ist klar, dass sie grundsätzlich schon recht viel verträgt. Irgendwann können wir also auch vom Mainzer CineStar in die Programmkinos Palatin und Capitol wechseln. (An dieser Stelle: Ich vermisse das Residenz & Princess… und sollte dringend mal wieder ins Wiesbadener Caligari…)

Es ist toll, Mama einer Tochter zu sein. Auch wenn meine Tochter keine klassische Tochter ist, denn sie schaut schrecklich gern mit ihrem Papa Fußball, Olympia, notfalls auch N24 – womit man mich jagen könnte. Aber ich befürchte, die Mutter-Sohn-Differenzen fallen noch größer aus. Das merke ich bereits an Juniors aktuellem Fernseh- und Youtube-Programm. Auf die Zukunft übertragen: Ich bin irgendwie nicht versessen auf „Cars 6“, der mich sicherlich eines Tages im Kino erwartet. Da muss dann der Papa ran. Ich geh lieber in die Mädchenfilme. So wie am Samstag.

Für diejenigen, die „Meine teuflisch gute Freundin“ bislang nicht kennen, nachfolgend der Trailer als Impression. Er verrät ziemlich viel. Nur sweet Samuel, in den sich Lilith, die Tochter des Teufels verliebt, den zeigt er nicht oft genug 😉

Nun ist es ja mit Filmen so eine Sache. Am Ende nimmt wahrscheinlich jeder etwas anderes für sich daraus mit. Das Resümee unserer Großen lautete recht schlicht: „Der war cool!“ Und ihre Freundin, die mit dabei war, kommentierte in ähnlicher Weise: „Total lustig!“ Ich habe mich heute bei meinem abendlichen Spaziergang gefragt, welche Botschaften mir vermittelt wurden. Es waren keine wirklich neuen Erkenntnisse, eher eine Erinnerung an ganz verschiedenes. Zum Beispiel:

  1. Was angesagt ist, hängt nur davon ab, wie es präsentiert wird. Lilith erklärt Gretas bislang von allen verhöhnte Strickkleider zum Modehit und Gretas Mutter zum neuen Stern am Fashionhimmel. Grundsätzlich gilt es, alles mit Überzeugung zu tragen. Nicht nur Kleidung. In jedem Bereich bringt authentisches Selbstbewusstsein weiter als Verzagtheit. Unsere Welt ist auf Überzeugungstäter ausgelegt und nicht auf Haderer und Mauerblümchen. (Ich arbeite nun seit mehreren Jahren daran, die Seiten zu wechseln…)
  2. Das Gute siegt! Natürlich kann Lilith die liebe Greta nicht zu einem bösen Menschen machen, sondern verliert selbst an Härte. In meiner rosaroten Welt ist das auch so. Ich glaube daran, dass niemand vollends schlecht sein kann, und dass das Gute schließlich siegt. Da waren der Film und ich uns also einig.
  3. Manchmal treten Menschen in unser Leben, die der Anlass sind, sich zu sich selbst weiterzuentwickeln. Was bislang brach lag, wird durch sie hervorgerufen. Im Falle von Greta erstrahlt ein zurückhaltendes Mädchen in seiner vollen Pracht und betritt im wahrsten Sinne des Wortes die Bühne des Lebens. Dafür benötigte Greta ihr Freundin (?) Lilith und Carlo, in den sie verliebt ist. Und auch Lilith entwickelt sich natürlich durch die Menschen in ihrem neuen Leben, die ihr – das ist vermutlich wichtig – voller Zuneigung begegnen. Greta lebt ihr Freundschaft und Aufrichtigkeit vor, durch Samuel lernt sie, Nähe zuzulassen. Ich glaube, dies war der Aspekt des Films, der mich am meisten bewegt hat: Zuzusehen, wie diese Figuren aneinander wachsen. Und der Gedanke: Welche Menschen hält das Schicksal noch für mich bereit?
  4. Eine junge Liebe ist wunderbar! Das Neue, das immer vertrauter wird, die Überwindung anfänglicher Distanz bis man in den Armen des anderen liegt und darauf vertraut, dass diese Arme einen halten. Der Andere erscheint wie ein Wunder, Außergewöhnlich und fast zu schön, um wahr zu sein. Leben fließt durch die Adern. Auch unsere Liebesgeschichte hat so begonnen und noch immer gibt es Arme, die mich halten. Manchmal sehe ich meinen Mann an, und erblicke genau das Wunder in ihm, das er ist. Aber der Familienalltag, die Routinen, die Pflichten,… oft genug habe ich das Gefühl, einfach nur funktionieren zu müssen und dasselbe auch vom Vater meiner Kinder zu erwarten. Doch eines Tages schaut man einen Teenie-Film im Kino und stellt sich wieder einmal die ganz grundsätzliche Frage, ob es wohl auch nach vielen Jahren in einer Beziehung einen Weg zurück in dieses Gefühl gibt, das dieser Film für mich transportierte. Großes Kino im eigenen Leben.

Unsere Tochter wird all diese ersten Lieben noch erleben. Ihr Herz wird Kopf stehen. Ihre Gedanken werden Achterbahn fahren. Das totale Chaos, Verzweiflung, Glück. Zumindest, wenn sie auch ein wenig nach mir kommt, und nicht nur die Tochter ihres Vaters ist, der die Dinge in der Regel deutlich gelassener angeht als ich… Ich habe jedenfalls keine Angst vor der Pubertät. Ich freue mich drauf. Um ehrlich zu sein: In meinem Herzen bin ich noch immer 16 😉

Übrigens: Als ich dies hier schrieb, lief ein wunderschönes Lied auf Klassik Radio. Viele haben es schon gesungen. Aber die Version von Roberta Fleck hat mir ganz besonders gut gefallen: Will you still love me tomorrow?

Nun muss ich schlafen. Wie eine typische 16jährige könnte ich nun bis weit nach Mitternacht Musik hören… Aber jenseits der 30 muss man doch mehr auf seinen Schönheitsschlaf achten 😉

Ein Gedanke zu “Kino-Zeit! Und schon bin ich wieder 16…

  1. Anonymous schreibt:

    Liebe Yasmin,
    was für ein schöner, sentimentaler Beitrag.
    Wie toll, dass du so optimistisch in Richtung Pubertät schauen kannst. Im Notfall sind ja Freundinnen und Freunde da, um dich auf dem Boden der Tatsachen zu begleiten 😉
    Einen guten Wochenstart, Katharina (die Kino – Patin)

    Gefällt 1 Person

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