Gau-Algesheim ist mehr als die Rheinwelle

Am Samstag hatte ich bei diesem wunderschönen Wetter so richtig Lust auf Weltentdecken. „Ich mag irgendwohin, wo ich noch nie war!“, verkündete ich meinem Liebsten morgens. Vermutlich dachte ich an einen Ausflug in die Pfalz, den Wormser Tierpark oder sonstwohin im für mich nach wie vor recht unbekannten Rheinland-Pfalz. Mit Gau-Algesheim hatte ich jedenfalls nicht gerechnet. Aber da sind wir wieder beim altbekannten Spruch: Warum in die Ferne schweifen…?

Die Gegend, in der ich mich bewegen würde, wählte quasi unsere Große. Ich fragte sie: „Was wollt ihr heute machen? Der Kalender ist leer!“ (Und das kommt ja gefühlt nur fünfmal im Jahr vor!) Ihre Antwort: „Schwimmbad wäre toll!“ Auch der Papa war bereitwillig. Am späten Vormittag saßen wir vier und eine Freundin der Großen zusammen im Auto auf dem Weg zur Rheinwelle. In Mainz ist es mit Schwimmbädern ja so eine Sache. Die Auswahl ist recht begrenzt. Für eine schnelle, unkomplizierte Schwimmeinheit ist bei uns das Schwimmbad in Nieder-Olm angesagt, für höhere Ansprüche ist die Gau-Algesheimer Rheinwelle der Favorit. Mainz selbst hat derzeit leider nichts nennenswertes zu bieten. Im innerstädtischen Taubertsbergbad ist bislang nur das Sportbad geöffnet, während die Therme (und auch der Saunabereich) noch saniert werden. Also nichts für meine Wasserratten, die Wert auf eine coole Rutsche legen und fröhlich Planschen statt sportlich Schwimmen möchten. Dann wäre da prinzipiell noch das Mombacher Schwimmbad, das von hier aus aber nicht gerade nah ist und auch nicht so atemberaubend, dass es irgendwelche Vorzüge gegenüber der Rheinwelle hätte. Also auf Richtung Ingelheim. „Ich komm mit!“, verkündete ich und erntete überraschte Blicke bis ich aufklärte: „Nein, nicht mit ins Schwimmbad. Ich gehe da irgendwo spazieren!“ Klar!

So stand ich dann also auf dem Parkplatz vor dem Schwimmbad, drehte mich einmal um mich selbst, betrachtete die Umgebung und überlegte, wohin ich laufen sollte. Da ich noch keinen morgendlichen Latte Macchiato genossen hatte, entschied ich mich für die Zivilisation und gegen das weite Feld. Gau-Algesheim war in Sichtweite. Nichts wie hin! Immerhin gehört auch dieser Ort zu den vielen Orten, in denen ich noch nie war. Von Gau-Algesheim kannte ich bislang nur die Rheinwelle. Aber Gau-Algesheim ist natürlich mehr als nur sein Schwimmbad!

Das erste, was ich lernte, war: Das ist gar kein Stadtteil von Ingelheim, sondern eine eigene kleine Stadt! Huch. Da war ich wohl ziemlich ignorant bislang. Eigentlich hätte mich die Hiwweltour Bismarckturm sehr gelockt, die auf großen Schildern immer wieder beworben wurde. Doch dafür blieb heute keine Zeit. Mir standen etwa 2,5 Stunden zur freien Verfügung, bis mich die anderen wieder einsammeln würden.

Nachdem ich an der Straße vom Schwimmbad aus in den Ort hineingelaufen war, orientierte ich mich in Richtung Einkaufszentrum. Der dortige Edeka beherbergt einen Bäcker und dieser machte mir netterweise ein schönes, schaumiges Heißgetränk, das mich auf den nächsten Metern begleitete.

Gau-Algesheim, so stellte ich erfreut fest, verfügt über mindestens zwei Eisdielen. Eine in Bahnhofsnähe, eine fand ich direkt am Marktplatz. Damit hatte das Städtchen schon die ersten Sympathiepunkte bei mir gesammelt. Der Marktplatz ist übrigens wirklich sehr lauschig. Ohnehin wirkt der ganze Ort beschaulich und doch zugleich gut ausgestattet. Die Häuser sind sehr abwechslungsreich. Alte Höfe, schicke Gebäude, kleine Minihäuschen, Normalo-Wohnblöcke,… Dazwischen Blümchen, Sitzgelegenheiten,… ein Ort, der sich Mühe gibt, dass man sich dort wohl fühlt, würde ich sagen.

Am Marktplatz wäre ich fast an jener Buchhandlung vorbeigelaufen, die ich schon immer mal besuchen wollte, weil ich so viel von ihr gehört hatte: „herr holgersson. lesen & leben“ heißt sie und ist im Stile einer Wohnung eingerichtet. Als brave Mutti ging ich natürlich direkt nach links ins Kinderzimmer. Sehr gemütlich!

Ich guckte mich durch die Kinderbücher (insbesondere für die Große) und stieß dabei auf eine lustige Variante der „Fünf Freunde“-Bücher. Kurz überlegte ich auch, eines davon zu kaufen. Aber die Vernunft siegte: Unsere 10jährige hätte den Humor vermutlich nicht ganz geteilt und ich mochte diese Reihe bislang noch nie und befürchtete, dass auch die amüsante Variante mich nicht überzeugen wurde. Aber zumindest ein Lächeln zauberte mir diese Entdeckung auf die Lippen. Am Ende meines Besuchs blieb ich bescheiden und kaufte nur ein Maxi-Pixi-Buch, in dem wir lernen, wie man ein Auto baut. Vielleicht wird der Kleine dann mal Ingenieur…

Ein zweites Geschäft verlockte mich ebenfalls zum Stöbern: Der Nähladen SchönesWerk. Dort gab es nicht nur die freundliche Ladenbetreiberin Verona und allerhand hübsche Dinge (ich fand ja vor allem die Knöpfe großartig – verhielt mich aber auch hier sparsam und kaufte nur ein schwarzes Garn und zwei Aufnäher für kaputte Jungshosen), nein, es gab auch ein tolles Accessoire für meinen Ausflug: Den Gau-Algesheimer Kinderstadtplan. Jackpot!

Nun konnte ich das olle Smartphone endlich aus lassen und mich herrlich analog an meinem Stadtplan orientieren, in dem auch die Spielplätze eingezeichnet waren. Auf der Suche nach dem offenbar größten Spielplatzangebot lief ich weiter, am Schloss vorbei, am Welzbach entlang und landete dann auf einem sonnigen Spielplatz aus Holz, der direkt an einem großen Parkplatz angesiedelt ist (Auf der Bleiche heißt die Straße daneben). Ganz hübsch jedenfalls, aber unserem heimischen Haus-und-Hof-Spielplatz sehr ähnlich, so dass ich nun vermutlich nicht extra dafür nach Gau-Algesheim fahren würde.

Der Stadtplan vermeldete verschiedene weitere Spielplätze und zumindest ein oder zwei davon wollte ich noch ansteuern, um möglicherweise einen Geheimtipp zu finden. Als ich auf meiner Suche in die Stotternheimer Straße einbog, präsentierte sich diese mir als ganz klassisches Wohngebiet und ich rechnete schon gar nicht mehr damit, hier etwas zu finden. Aber der Spielplatz war wirklich da, wenngleich recht putzig: Nestschaukel, Wipptier, Reckstange, fertig.

Hübscher war der Spielplatz „Honiggarten“, der sich ebenfalls sehr schüchtern in einem Wohngebiet versteckte und garantiert nur den direkten Anwohnern bekannt ist. Zu bieten hat er u.a. eine Hängematte und ein großes Spinnennetz am Kletterturm sowie zwei (wenig federnde) Bodentrampoline.

Und dann kam ich noch (quasi direkt nebenan) an einem weiteren Spielplatz vorbei, der an der Unterführung liegt, welche den Ortskern mit dem Edeka/Penny-Einkaufszentrum verbindet (Erich-Klausener-Straße). Der war klein, aber fein, muss ich sagen, und ich wette, die Muttis und Papas verweilen gerne dort, wenn sie mit dem Kinderwagen vom Einkaufen zurück nach Hause laufen.

Damit war meine Runde beendet und ich machte mich wieder auf den Weg zurück zu meinen Lieben. Kaum war ich wieder am Ortsausgang, klingelte mein Handy: „Wo bist du? Wir holen dich ab!“ Heimwärts. (Bereits eine Stunde später wollten wir lieben Besuch aus Gonsenheim empfangen, mit dem wir morgens sehr spontan ein Treffen vereinbart hatten.)

Nun kenne ich also Gau-Algesheim zumindest ganz grob. Für die nächsten Besuche in dieser Ecke gibt das Örtchen verschiedene Empfehlungen. Neben der Hiwweltour rund um den Bismarckturm wäre da noch der Dreibächeweg, der Rundweg Rabenschule und der Rundweg Gau-Algesheimer Kopf im Angebot. Es gibt also wieder gute Gründe, die Familie auch bei gutem Wetter ins Hallenbad zu schicken…

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