Familienurlaub in Südkorea

Südkorea ist für deutsche Familien sicherlich ein unkonventionelles Urlaubsziel. Als Freunde und Bekannte erfuhren, dass wir unsere Herbstferien in diesem fernen Land verbringen wollten, war die Überraschung meist groß. „Wie seid ihr denn auf diese Idee gekommen?“, fragten sie im Vorfeld. Und im Nachhinein natürlich: „Wie war es da?“

Eindrucksvoll war es, spannend – aber irgendwie doch gar nicht so fremd, wie man vielleicht glaubt. Eigentlich sind sich Korea und Deutschland in vielen Dingen sehr ähnlich. Das Land von Samsung, Hyundai und Kia ist ebenso eine große Kaffeetrinkernation mit unglaublich vielen Cafés, die Menschen in der Metro gucken genauso viel auf ihre Smartphones wie hier im Bus, koreanische Popmusik klingt ziemlich europäisch und sogar die Preise für viele alltägliche Dinge fanden wir recht vergleichbar (z.B. rund 2,50 Euro für zwei Kugeln Eis, knapp 1 Euro für Knabbereien in der Bäckerei, 9 Euro für ein Schnitzelgericht im Lokal,…). Auch das Herbstwetter in Seoul entsprach quasi dem Wetter in Mainz. Wie die Daheimgebliebenen hatten wir es meist sonnig, das Laub der Bäume war ebenso schön bunt gefärbt.

In einigen Dingen ist Korea natürlich auch anders. Beeindruckend und höchst angenehm war die Menge an gepflegten, öffentlichen Toiletten, die – bitte festhalten – sehr oft über Kindertoilette und Mini-Waschbecken verfügen. Etwas, dass es hierzulande in der Regel vorwiegend in Kindergärten und bei Ikea gibt. Unser Junior fand es prima!

In Korea fühlt man sich zudem überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit sehr sicher. Es gibt kaum Kriminalität. Während man in Deutschland höchstens seine Jacke im Restaurant hängen lassen würde, um zu kennzeichnen, dass der Tisch bereits besetzt ist, lassen die Koreaner tatsächlich ihre Smartphones auf dem Tisch liegen, während sie sich einen Kaffee holen gehen. Hier kommt nichts weg! (Mir wurde ja während meines Studiums mal der Laptop in der Unibibliothek geklaut, als ich gerade ein Buch holte…)

Was uns überraschte waren die oftmals nicht vorhandenen Englischkenntnisse der Koreaner. Aber irgendwie kam man trotzdem durch. Trotz Verständigungsproblemen landete in den Restaurants am Ende in der Regel etwas auf dem Tisch, dass uns satt machte. Und unser Ziel erreichten wir auch immer, selbst wenn die Wegbeschreibungen mitunter nicht ganz eindeutig waren. Die nonverbale Kommuniktion drückte zudem häufig aus, dass die Koreaner unsere Kinder sehr interessant fanden, insbesondere den kleinen blonden Jungen. Da wurden Bonbons zugesteckt, übers Haar gestreichelt und irgendwas mit einem Lächeln auf den Lippen gesagt. Ein paar Mädels schenkten unserem Kleinen in der Metro spontan ihren Luftballon und posierten bereitwillig für ein gemeinsames Foto. Die im Allgemeinen eher zurückhaltenden Koreaner kommen also manchmal doch auf einen zu und waren insgesamt ziemlich freundlich. Eine sehr angenehme Mentalität. Man fällt als Europäer sofort auf, mit Kindern noch mehr – aber man fühlt sich nie richtig fremd.

Die jungen Leute in Korea wirken zumindest teilweise etwas crazy. Korea ist nicht nur das Land, in dem Computerspiele als Sport gelten („E-Sports“) und der Alkoholkonsum wie bei den heimischen Medizinstudenten zelebriert wird, sondern in dem sich auch zahlreiche lustige Themencafes etabliert haben und der angeblich größte Indoor-Freizeitpark der Welt vorzufinden ist (mehr darüber bald!). Und die Koreaner lieben Comicfiguren. Bei Kindern ist beispielsweise ein Pinguin namens Pororo hoch im Kurs, der natürlich diverse tierische Kumpels hat. Aber auch das koreanische Whatsapp namens „Kakao“ wird durch fröhliche Tiere vertreten, die Kakao Friends. Und die jungen Mädels laufen auch mit 20 gerne mal mit Katzenohren-Haarreifen herum, wie man es hier eher bei den kleinen Kindergartenmädchen sieht.

Gute Selfiemotive scheinen bei der Gestaltung touristischer Sehenswürdigkeiten von höchster Relevanz zu sein. Gerne darf es auch etwas kitschig werden.

Korea hat eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Vielleicht war es deshalb nicht so einfach, Spielplätze zu finden. In Seoul, so sagte uns eine Einheimische, gäbe es Spielplätze primär in den größeren Wohnanlagen. Auch in den Parks wurden wir zumindest manchmal fündig. Aber bis wir die erste Rutsche fanden, vergingen tatsächlich 5 Tage.

Gerade unser Junior musste sich oftmals gedulden bis er in Ruhe herumtoben konnte. Er erfreute sich zwischenzeitlich am Rolltreppefahren und Aufzugknopfdrücken in der Metro, futterte reichlich koreanische Kekse und zeigte sich trotz der Einschränkungen und häufigeren Ermahnungen („Achtung, Straße!“, „Mal nicht so wild!“, „Nicht so laut!“) recht zufrieden und genügsam. Wir bemühten uns sehr darum, Spaßiges für die Kids zu unternehmen, aber gerade in der Metro gab es oft nicht viel für sie zu tun.

Auch das Essen war natürlich eine kleine Herausforderung für die Kinder. Vieles war unbekannt. Selbst beim Bäcker wurde man überrascht. Huch, ein süßes Brötchen mit Bohnenmusfüllung! Die in Deutschland eingepackten Tütennudelsuppen wurde an zwei Abenden tatsächlich zubereitet und wir kehrten auch bei McDonald’s ein, wenn wir uns nicht für ein einheimisches Restaurant entscheiden konnten. Aber fast täglich gab es eben doch zumindest mittags den landestypischen Reis mit irgendeinem Fleisch/Garnelen, eingelegtem Vorspeisengemüse und die obligatorische Suppe.

Korea ist kein klassisches Ziel für den entspannten Familienurlaub, aber dennoch sehr empfehlenswert, wenn man mit den Kindern neue Eindrücke sammeln will, aber der Kulturschock sich zugleich in Grenzen halten soll. Korea ist Fortschritt gepaart mit Tradition, zurückhaltend und zugleich verrückt, mitunter chaotisch, mitunter beeindruckend komfortabel. Und in jedem Fall: sehr sympathisch!

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