World on ice

Mein 15jähriger Cousin führte mich kürzlich in Würzburg aufs Glatteis. Im wahrsten Sinne des Wortes: Wir waren zusammen auf der Eisbahn. Zunächst war ich von seinem Plan nicht allzu angetan. Eisbahn? Ich? Da ist es kalt und rutschig. Was soll ich da? Es riss sich aber auch kein anderer aus der Familie darum ihn zu begleiten, sein Kumpel war anderweitig verplant,… und ich fühlte mich ehrlich gesagt ein bisschen geehrt, dass ich überhaupt mit durfte, denn die alte Cousine (das bin ich…) findet er eigentlich gar nicht so wahnsinnig cool. Ich bin nicht genug Gangster für ihn. Er lässt mir gegenüber eher den lonesome cowboy raushängen, der möglichst wenig Konversation betreibt. Aber hey, unser gemeinsamer Ausflug war wirklich eine feine Sache! Jeder machte sein eigenes Ding und gelegentlich tauschten wir ein paar Sätze. Durch diese für mich eher ungewohnte Kommunikationsarmut geriet ich in eine ganz ungewöhnliche Stimmung, die ich mit meinen Kids an der Seite definitiv nicht kennengelernt hätte: Konzentriert, beschwingt und fast ein bisschen meditativ. Während meine Tante daheim vermutlich vom Kleinen ein Ohr abgequatscht bekam, konnte ich auf Leerlauf schalten.

Ich zog gefühlte 300 Runden über die Eisbahn. Immer gegen den Uhrzeigersinn. Beinahe wäre mir schwindelig geworden. Ohne Kinder Schlittschuh zu laufen fühlte sich fast an wie spazieren gehen. Nur dass die Landschaft drumherum sich nicht verändert. Aber dafür gibt es viele Menschen zu beobachten. Und das war unglaublich interessant! Das schöne Wetter am Samstagnachmittag hatte die Würzburger Jugend erfolgreich von der Playstation weg nach draußen gelockt. Es war ziemlich voll auf dem Eis. Dieser Umstand brachte es mit sich, dass ich ziemlich aufpassen musste, niemanden anzufahren (ich kann ja nicht bremsen), über niemanden drüber zu fallen (ich kann ja nicht bremsen) oder nicht überfahren zu werden (die anderen können zwar bremsen, aber sie tun es nicht). Der aufregende Part meines Ausflugs war auf jeden Fall mein unfreiwilliges Dasein als lebendes Slalomhütchen. Ich vermute, einige der Cracks, die am Samstag unterwegs waren, gehen nur auf die Eisbahn, wenn sie besonders voll ist, weil sie dann mehr menschliche Hindernisse in rasendem Tempo umfahren können.

Die Eislauf-Cracks, die verblüffenderweise immer eine kleine Lücke finden, um sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, fand ich besonders faszinierend.

Aber bei näherer Betrachtung (ich hatte etwa 90 Minuten Zeit) entdeckte ich nach und nach noch weitere spannende Charaktere:

  • Die elegante Eisläuferin. Sie glitt eher dezent am Rand entlang und übt hübsche Pirouetten. Man erkannte sie an den klassischen weißen Schlittschuhen und der schwarzen Hose, die sie im Anschluss vermutlich noch zum Jazzdance-Training anzog.
  • Die fröhliche Mädelstruppe. Diese jungen Damen waren etwa 12 bis 16 Jahre alt und gerne zu dritt händchenhaltend unterwegs. Sie hatten immer etwas zu lachen. Zwei von ihnen fuhren auch lässig ohne Jacke durch die Kälte. Man muss ja zeigen, was man hat. Heiß.
  • Die süßen Pärchen. Junge Liebe mit Küsschen auf dem Eis. Gerne in Begleitung von Freunden. Gelegentlich legten sie an der Bande eine Pause ein, um zu knutschen. Ach, wie schön ist es, 16 zu sein!
  • Motivierte Eltern, die ihren Nachwuchs gut festhielten oder nach dem Hinpurzeln wieder aufhalfen. Die Kids waren meistens eher schon im Vorschulalter. Mein Junior wäre vermutlich der Jüngste auf der Eisbahn gewesen, wenn er nicht – glücklicherweise – zum Plätzchen backen in der warmen Stube geblieben wäre. Besonders spannend bei den anwesenden Eltern mit Kindern waren die Väter, die selbst einmal zur Gattung der Cracks gehört haben müssen. Sie fuhren gekonnt rückwärts vor dem Nachwuchs her und bewegten sich so lässig über das Eis, als würden sie täglich darauf Walzer tanzen. (Vermutlich gab es auch die Eisprinzessinnen-Mamas. Sie sind mir nur nicht aufgefallen…)
  • Und dann war da sogar noch eine Rollstuhlfahrerin auf dem Eis. Auch sie zog fleißig ihre Bahnen. Dabei unterhielt sie sich angeregt mit einem jungen Mann, der ihr erzählte, er sei fast täglich hier. Sie war, glaube ich, aber eher hier, weil ihr Sohnemann Lust auf einen coolen Ausflug gehabt hatte. Die Eisbahn ist für alle da.

Was eine lustige Mischung unterschiedlicher Menschen!

Auf der Würzburger Eisbahn hat man übrigens recht viel Auslauf. 56 auf 26 Meter misst die weiße Fläche. Da hier auch das Würzburger Eishockeyteam (die Würzburg Eisbären) und die Eiskunstläufer trainieren, ist die Anlage nicht so putzig wie unsere hiesige Eisbahn auf der Laubenheimer Höhe, sondern eher mit der Mainzer Eishalle am Bruchweg zu vergleichen. Nur ohne Halle eben. In Würzburg schlittert man open air über’s Eis. Die Freizeiteisläufer mögen’s, die Sportler beklagen es, sind aber vermutlich dankbar, dass sie überhaupt wieder eine Eisbahn haben. Diese wurde nämlich komplett saniert und steht erst seit diesem Monat wieder zur Verfügung.

In Mainz ist das alljährliche Eisbahnvergnügen ebenfalls gewissen Schwankungen unterworfen. Es gab beispielsweise einmal eine Eisbahn zwischen Regierungsviertel und Mainzer Schloss. Die war klein, aber fein und definitiv schön gelegen. Zahlreiche Glühwein- und Bratwurststände sorgten für Weihnachtsmarktflair. Perfekt für einen unkomplizierten Ausflug mit den Kids. Heute würden wir für gemütliche Winterabende, bei denen es vor allem auf eine tolle Atmosphäre ankommt, zur Winterwelt auf die Laubenheimer Höhe fahren. Dort ist vor einigen Jahren auch das Foto von unserer Großen mit dem freundlichen Pinguin-Assistenten entstanden. Unsere Süße ist ein Fan aller Jahreszeiten. Während ich mich im Herbst schon auf den Frühling freue, leidet sie darunter, dass es in Mainz fast nie schneit. Da ist ein Ausflug auf die Eisbahn für unser Mädel zumindest eine kleine Aufheiterung. Im letzten Jahr testete sie mit einem Klassenkameraden endlich auch die Eishalle am alten Bruchwegstadion, die ich bislang noch nicht besucht habe. Natürlich fand sie die ganz prima.

Vielleicht treibt es mich in diesem Winter auch einmal in die Eishalle. Oder doch zumindest zur stimmungsvollen Eisbahn auf die Laubenheimer Höhe. Tatsächlich hat mich der Samstagsausflug mit meinem Cousin auf den Geschmack gebracht. Ich denke, wir werden die Winterfreuden dieses Jahr etwas ausführlicher genießen und auch der Kleine bekommt mal Kufen unter die Füße. Irgendwann soll er auch so ein cooler Typ werden, dem die Mädels auf dem Eis hinterher staunen. Falls er mit seinen 4 Jahren noch nicht dafür trainieren will, muss er eben zunächst einen Kinderpunsch mit mir trinken und seine Schwester bewundern.

Vermutlich hätten wir die ersten Versuche auf dem Eis in Seoul machen sollen. Die Eisbahn im Lotte World Adventure sah ziemlich cool aus… Meine Arbeitskollegin empfiehlt übrigens die Eisbahn in Köln.

Habt ihr auch einen Tipp für die Winterspaßplanung? Dann her damit! Wenn hier mal wieder alle gesund sind, geht’s nämlich auf die Piste!

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