Und übermorgen ist wieder Weihnachten…

Gestern war bereits der 3. Advent. Weihnachten steht beinahe vor der Tür und ich bin überhaupt nicht darauf vorbereitet. Alle Jahre wieder ist das so. Das Jahr vergeht ohnehin immer schnell, aber der Dezember hat jedes Mal den Turbo eingelegt und ich komme kaum hinterher. Die Zeit verdichtet sich am Jahresende auf wundersame Weise – was reichlich unpraktisch ist, weil die To-do-Liste noch etwas länger ist als sonst. Auf ihr befinden sich viele schöne Programmpunkte und Aufgaben, die klassischerweise in die Adventszeit fallen: Weihnachtsfeiern, Geschenke besorgen, Plätzchen backen, das Haus gemütlich dekorieren,… Jeder einzelne dieser Punkte ist eine gute Sache – nur zusammengenommen kann es anstrengend werden.

Ein Weihnachtsevent, um das ich mich jahrelang erfolgreich gedrückt habe, ist das Plätzchenbacken. Als die Große noch klein war, fand sich erfreulicherweise immer eine Oma oder Tagesmutter oder Freundinnenmama, die sich mit mehr Begeisterung dazu aufraffen konnte als ich. Seit zwei Jahren füge ich mich nun jedoch meinem Schicksal und versuche meiner Weihnachtsmutterrolle mit überschaubarem Aufwand gerecht zu werden. Eine Runde Plätzchenbacken mit Anschlussküchenreinigung sollte doch drin sein. Sicherlich war es auch das idiotensichere Rezept von Evelyne, das mich ermuntert hat, die ersten Plätzchenbackversuche dieses Jahr fortzuführen. Ich kann es nur empfehlen, denn es erfüllt alle Kriterien: Simple Zutaten, schnell herzustellen, keine Teigkühlzeiten oder ähnliches Gedöhns – und am Ende hat man etwa drei Bleche leckerer Plätzchen.

Wer es nachbacken möchte:

250gr Butter, 250gr Zucker, 500gr Mehl, 2 Eier und 1 Päckchen Vanillezucker zusammenrühren, zu einem Teig verkneten, ausrollen, lustige Plätzchen ausstechen, hübsch machen und bei 160 Grad für ein Weilchen in den Backofen schieben. Voila!

Dieses Jahr ist es mir nun gelungen, die Plätzchenaktion noch vor dem ersten Advent zu veranstalten. Und meine Aufgabe dabei beschränkte sich auf die finale Wiederherstellung der Küche. Den Rest erledigte die Große mit ihren beiden Freundinnen fast allein. Und nebenbei wurde auch der kleine Bruder noch mitgemanaged. Es ist so schön, eine 10jährige Tochter zu haben!

Plätzchenbacken gehört zu den Dingen, die ich selbst nicht tun würde, weil ich dafür einfach zu faul bin. Ich tue sie der Kinder zuliebe und versuche dabei, es mir möglichst hübsch zu machen. In diesem Fall war das Schöne an der Aktion, dass ich nicht nur die zwei Freundinnen der Großen in der Küche hatte, sondern auch deren Mutter. Sie brachte die Zutaten mit, ich stellte die Räumlichkeiten zur Verfügung. Und während sich die Kids austobten, hatten wir Zeit zu plaudern. Das kommt ja viel zu selten vor. Jeder lebt sein Leben und oftmals dauert es Wochen, bis man mal wieder in Ruhe zusammenkommt.

Gerade die Adventszeit ist eigentlich prädestiniert für’s Zusammenkommen. Die Leute jagen von einer Weihnachtsfeier zur nächsten. Oder sie treffen sich auf Weihnachtsmärkten. Bei uns war es diesbezüglich dieses Jahr recht ruhig. Keine Weihnachtsfeiern auf dem Gymnasium (schade!), keine beim Fußball oder Kunstrad. Lediglich in der Kita gab es ein größeres Fest, die sogenannte Weihnachtswerkstatt. Interessanterweise hätte unser Kita-Kind die Zeit lieber auf dem Spielplatz verbringen sollen. Er nutzte keines der tollen Bastelangebote und auch das Theaterstück der Vorschulkinder war aus seiner Sicht nicht sehenswert. Mein Junior tobte stattdessen drei Stunden lang mit seinen Jungs und Mädels in der temporären Cafeteria herum. Ich versuchte mich zu entspannen und die Geselligkeit zu genießen. Es waren immer ein paar bekannte Gesichter in Gesprächsweite. Und am Ende saß ich mit einem befreundeten Pärchen zu dritt bei Kerzenschein und Kuchen zusammen, ziemlich idyllisch. Da sonst nichts mehr los war, hatten die Kids endlich auch angemessen Platz zum Fangenspielen und Über-die-Bänke-springen, so dass der Aktivitätsdrang meines kleinen Wirbelwinds und das Veranstaltungskonzept doch noch für ein paar Momente harmonierten. Übrigens: Genau aus dem Grund meide ich auch Weihnachtsmärkte mit dem 4jährigen. Das ist nur Gerenne und Geschimpfe (und am Ende dazu noch ein teures Vergnügen). Der junge Mann geht nicht gesittet zwischen den Buden umher und trinkt dann gemütlich einen Kinderpunsch. Nein, die Devise heißt stets: Action! Und gegebenenfalls noch: Ich will (das Spielzeug, nochmal Karussell fahren, was essen, weitergehen, heim,…). Weihnachtsmarktspaß gibt es erst ab Grundschulalter… Umso mehr habe ich übrigens heute unsere Nachbarn von gegenüber gefeiert! Die haben um 11 Uhr einen Grill aufgestellt und darauf Glühwein warm gemacht. Bis in den Abend tobten die Kids dort völlig unkompliziert im Schnee herum, während sich die Erwachsenen an ihren warmen Getränken festhielten. So entspannt!

Ja, Schnee… auch in Mainz! Damit ist ein weiteres Advents-to-do abgehakt. Als ich morgens aufwachte, hörte ich das Kratzen von Schneeschippen und Kinderlachen von draußen. Ich musste gar nicht aus dem Fenster sehen, um zu wissen, dass die Welt über Nacht zum Winterwunderland geworden war. Die Große war bereits selbst mit dem Schlitten on tour gegangen während alle anderen noch in den Betten lagen. Als der Kleine dann wach wurde und aus dem Fenster blickte, wurde es jedoch umso stressiger, denn natürlich musste SOFORT die Schneeausrüstung zusammengesucht und angezogen werden. Tee? Frühstück? Keine Zeit! Schnell Zähne putzen und Haare kämmen muss genügen. Ich nahm meinen Tee dann mit raus. Wer es noch nicht weiß: Ich liebe Mainz vor allem deshalb, weil ich hier in der Regel von Schnee verschont bleibe… aber okay, es sei den Kiddies gegönnt. Ein nettes Geschenk des Himmels zum 3. Advent.

Noch eine Woche bis Weihnachten. Ich habe noch so viele Lücken im Geschenkevorrat. Für manchen Menschen fehlen mir noch gute Ideen. Ich komme aber dieses Jahr auch einfach nicht in Weihnachtsstimmung. Vielleicht hilft mir der Weihnachtsbaum auf den letzten Metern, das noch zu ändern. Der wurde am Samstagabend aufgestellt, mit stimmungsvoller Lifemusik: mein Liebster spielte uns Weihnachtslieder am Piano. Mittags hatte ich den Baum mit den Kindern in Nieder-Olm geholt. Die Große musste die wichtige Entscheidung treffen, welche Tanne mit nach Hause kommen darf. Ich war schon eine Woche vorher in einem Tannenbaumverkauf gestrandet und nach einer halben Stunde unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Manchmal überfordern mich Entscheidungen. Aber hey, ich kann mich damit heraus reden, dass unser Baum an Heilig Abend auch viel Aufmerksamkeit bekommt und daher sozusagen gut aussehen muss ;-). Die ganze Familie versammelt sich in unserem Wohnzimmer – Oma, Opa, Tanten, Onkel, Nichten,… Vielleicht nehme ich mir aber dennoch die Dame zum Vorbild, von der ein Tannenbaumverkäufer erzählte, als ich gerade ratlos in seiner Nähe umher lief: „Letztes Jahr kam eine junge Frau zu mir, eine Studentin oder so. Und die sagte tatsächlich, ich solle ihr den hässlichsten Baum geben, den ich habe. Sie wolle genau den.“ Die Schöne und das (Tannenbaum-)Biest. Romantisch…

Ich freue mich schon auf Heilig Abend. Wir werden die Familie hier haben und die hab ich sehr gern! Ich bin eigentlich kein Fan von Weihnachten und war auch erst ein Mal an diesem Tag in der Kirche (nämlich als die Große beim Krippenspiel mitmachte). Obwohl mich die Geschichte von Gottes Sohn, der in einem Stall zur Welt kommt, durchaus fasziniert, vermag ich nicht so recht, daran zu glauben. Ich würde mich als spirituellen Menschen bezeichnen, aber nicht als religiös. Deshalb hab ich mit Weihnachten lange meine Probleme gehabt. Etwas zu feiern, woran ich nicht richtig glaube… schwierig. 15 Jahre lang habe ich ganz prima ohne Weihnachten gelebt. Für meine Eltern und mich war es ein Abend wie jeder andere auch. Und das fand ich klasse.

Mit der Geburt unserer Großen in 2008 kam das „Fest der Liebe“ wieder in mein Leben. Dieses Jahr habe ich somit 10-jähriges Weihnachtsjubiläum. Und es ist ein schönes Jubiläum, über das ich mich freue. Zwischenzeitlich habe ich meinen persönlichen Weihnachtsmodus gefunden, der natürlich yasmintypisch etwas unkonventionell ist: Ich werde am 24. Dezember mittags wieder mit den Kindern ins Kino gehen statt die Bude herzurichten und ein 3-Gänge-Menü vorzubereiten. Mit den Kinokarten in der Tasche gibt es zunächst noch einen Latte Macchiato auf dem Altstadtspielplatz, wenn das Wetter halbwegs passt. Als Mittagessen dann eine große Tüte Popcorn. Um 15 Uhr trudeln wir entspannt daheim ein zu Kaffee und Lebkuchen, kurz bevor die Familie eintrifft. Wir werden einander in den Arm nehmen, gemeinsam Weihnachtslieder singen und Sekt trinken. Tatsächlich habe ich Weihnachten als Anlass fürs Zusammenkommen wieder lieben gelernt. Außerdem stehe total auf Würstchen mit Kartoffelsalat.

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