Frankfurtausflug mit Freunden: Fünf Kulturanthropologen im Museum für Kommunikation

Das für mich tollste Museum im Rhein-Main-Gebiet ist das Museum für Kommunikation in Frankfurt. Vor 16 Jahren war ich zum ersten Mal dort und seitdem leider viel zu selten. Gestern schlug mein Kulturanthropologenherz aber endlich wieder einmal höher, als ich das Museum gemeinsam mit vier Freunden aus Studienzeiten betrat und wir uns einen schönen Nachmittag in der Sonderausstellung „Freundschaft – digital & analog“ machten.

Im vergangenen Sommer hatte ich bereits die neue Dauerausstellung erkundet, gemeinsam mit einer befreundeten Familie und unseren insgesamt fünf Kindern. Ich kann euch einen Besuch dort wirklich ans Herz legen! Vielleicht nicht unbedingt mit 3-jährigen, die einen naturgemäß davon abhalten, die Ausstellung selbst in Ruhe aufzunehmen (hier spreche ich aus Erfahrung) – aber mit Grundschulkindern ist es gewiss ein super Ausflugsprogramm! Es gibt viel zu sehen und auszuprobieren. Man merkt einfach, dass sich die Museumsleute wirklich Gedanken darüber gemacht haben, wie sie die großen und die kleinen Besucher zum Staunen, Schmunzeln und Nachdenken bringen können. Es ist ein Eintauchen in die Vergangenheit mit alten Postkutschen und Zeiten ohne Computer und Smartphone sowie zugleich ein Bewusstwerden unseres gegenwärtigen Kommunikationsverhaltens.

Mein Sonntagsausflug (diesmal ohne Kids) an diesem schönen Märzwochenende war von langer Hand geplant. Die Idee wurde im Januar geboren, als ich – wie so viele Menschen – darüber nachdachte, was das neue Jahr bringen würde, könnte, sollte. Die weit verbreitete Vorstellung, zukünftig mehr Sport zu machen und weniger Süßigkeiten zu mampfen, hatte sich in meinem Fall bereits in den letzten Jahren als wenig erfolgversprechendes Vorhaben herausgestellt. Dieser Illusion gab ich mich also erst gar nicht hin. Stattdessen überlegte ich mir im Januar einige Dinge, die ich in den kommenden Monaten GERNE tun würde. Eine Liste der Vorfreude. Ein Punkt darauf: Mit Freunden in die Ausstellung zum Thema „Freundschaft“ gehen. Gestern konnte ich nun ein Häkchen hinter diesem Punkt auf der Nice-things-to-do-Liste machen und verbrachte einen entspannten, interessanten und lustigen Tag mit den vier Menschen, die mir schon während des Studiums ganz besonders am Herzen lagen. Zwei Mädels, zwei Jungs. Es konnte einfach keine passendere Gesellschaft für diesen Ausflug geben und ich war sehr, sehr glücklich, als wir tatsächlich alle zusammen in der S-Bahn nach Frankfurt saßen und in diesen gemeinsamen Tag starteten.

Vom Frankfurter Bahnhof ist es es hübscher kleiner Spaziergang zum Museumsufer. Wir hatten den Plan gefasst, vor dem Bildungsprogramm zunächst einen Mittagssnack einzunehmen und schlenderten auf der Suche nach einem hübschen asiatischen Lokal durch die Finanzmetropole. Es wurde dann ein mexikanischer Imbiss. Burritos, Cajun Fries und Coke. Nicht gesund, aber definitiv lecker.

Vollgefuttert kugelten wir ans Mainufer, überquerten den Holsteinsteg im Sonnenschein und strandeten direkt im Museumsshop des Kommunikationsmuseums. Viele hübsche Dinge gibt es da. Bücher, Spielsachen und viel Klimbim, der nicht notwendig ist aber charmant.

Dabei stieß ich auch wieder auf „Die Kunst aufzuräumen“ von Ursus Wehrli, dessen tolles Foto-Projekt mir letztes Jahr in Weimar aufgefallen war. (Wer mir für schlappe 540 Euro motivierende Kunst für einen aufgeräumten Haushalt schenken möchte, möge zum Onlineshop surfen… okay, das Memory mit seinen Bilderpaaren gibt es für unter 20 Euro… das ist auch schön!). Gekauft hab ich dann aber doch etwas anderes, nämlich Glücklichmacher für den Mann (Frankfurter Drogen, haha) und ein Buch mit ganz seltsamen Zungenbrechern für die Kinder. Die Große liebt so Zeug!

„Nachts im dichten Fichtendickicht nicken dicke Fichten tüchtig.“

Aber eigentlich waren wir ja nicht zum Shoppen gekommen. Also ab zur Kasse, um die 5 Euro Eintritt zu bezahlen, mit denen man das gesamte Museum erkunden kann (Kinder und Jugendliche unter 18 berappen gerade einmal 1,50 Euro). Die Sonderausstellung rund um das schöne Thema Freundschaft ist im 2. Stock beheimatet. Dort wurden wir nett begrüßt und bekamen den Aufbau der Ausstellung kurz erläutert: „Es gibt drei große Bereiche. Freunde finden, Freunde haben, Freunde verlieren. Es gibt keine Reihenfolge, in der man die Ausstellung durchlaufen sollte. Aber am besten hören Sie nicht mit ,Freunde verlieren‘ auf, sonst gehen sie traurig nach Hause.“ Aha, guter Tipp.

Mein Tipp: Geht von „Freunde finden“ zu „Freunde verlieren“ zu „Freunde haben“, aber spart euch den kurzen Film auf, der auf diesem Rundweg bereits recht am Anfang in einer ruhigen Ecke an die Wand projiziert wird. Guckt ihn zum Schluss. Gezeigt wird etwas, zu dem es mittlerweile schon viele Videos auf YouTube geben dürfte: Fremde Menschen werden einander gegenübergesetzt und sollen sich schlicht und einfach ansehen. Was passiert? Uns hat es sehr berührt, diesen Film zu sehen. Die Erkenntnis: Es ist so einfach, Zugang zu Anderen zu bekommen, wenn man sich die Zeit nimmt, jemanden ganz bewusst zu sehen. Dafür genügen 4 Minuten. Und doch verstellt uns der alltägliche Smalltalk oftmals den Blick aufeinander. Meine Freundin und ich lagen uns jedenfalls nach diesem Film in den Armen. Nachdenklich-sentimental und glücklich-hoffnungsvoll zugleich.

Die Ausstellung ist mit viel Liebe angelegt, spielerisch und abwechslungsreich. Nicht zu tiefsinnig. Vielleicht ist sie manchmal tatsächlich zu wenig komplex, wenn man selbst einen wissenschaftlichen Hintergrund hat. Aber das ist nicht schlimm, denn letztlich soll ein breites Publikum angesprochen werden – inklusive (Schul-)Kindern. Und es sind mitunter ja ganz einfache Dinge, die einen kurz Innehalten lassen. Auch eine eigentlich ziemlich banale Sammlung von Antworten auf die Frage „Was bedeutet Freundschaft für Sie?“, ganz unprätentiös auf Papierstreifen gedruckt und an eine Holzwand gepinnt, kann bereits einen Effekt auf den Besucher haben. „Freundschaft ist ein warmer Mantel“, las ich meinem langjährigen Freund vor, der gerade neben mir stand. Und er antwortete mit der Metapher, die er gerade gelesen hatte: „Freundschaft ist ein Erdbeereis.“ Und wie jedes Mal, wenn wir uns sehen, war ich auch heute sehr froh, dass uns nun bereits 15,5 gemeinsame Jahre verbinden. Freundschaft kann so vieles sein und jede Freundschaft ist einzigartig.

Bis zum 1. September 2019 könnt ihr die Ausstellung selbst besuchen. Nehmt auf jeden Fall ein paar Freunde mit. Dann macht auch das anschließende Kaffeekränzchen noch mehr Spaß. Die Kuchenauswahl im Museumscafé ist definitiv super! Der perfekte Abschluss unserer Exkursion.

Auf dem Rückweg zur S-Bahn sahen wir dann das ideale Lockmittel für den nächsten Kulturausflug nach Frankfurt: Eine Ausstellung im Weltkulturen Museum mit dem wunderbaren Titel „Grey is the new pink – Momentaufnahmen des Alterns„. Und dazwischen vielleicht ein Abend mit bunten Getränken in einer Mainzer Cocktailbar… Das schöne an der Kulturanthropologie ist ja, dass sie sich mit ALLEM befassen kann. Auch mit Kneipenkultur.

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