Mainzer Mähs am Morgen. Oder: Ein guter Start in den Tag!

Mitten in Mainz wohnt eine Schafherde. Die ließ es sich heute im morgendlichen Sonnenschein gut gehen. Und ich mir auch.

Da ich dummerweise letzte Woche meinen Geldbeutel mit allem drum und dran verloren habe, kann ich derzeit auch nur Bus fahren, wenn ich mir extra eine Fahrkarte dafür kaufe. Die Monatskarte ist ja leider auch weg. Deshalb bin ich in letzter Zeit häufig mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Heute wollte ich aber gerne Bus fahren, um ein wenig zu lesen. Es kam aber noch besser: Auf dem Weg zur Haltestelle sammelte mich ein befreundeter Papa ein, der mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit war, und nahm mich mit nach Hechtsheim zur Akademie der Wissenschaften/Kurmainzkaserne/Rewe, da er in der Ecke arbeitet. Von dort wäre ich normalerweise mit der Straßenbahn weitergefahren. Aber heute dachte ich mir: „Die Fahrt kostet dich etwa 2 Euro. Die Sonne scheint. Es ist erst 7.45 Uhr,…“ Und so beschloss ich, den Rest des Weges zu Fuß zu gehen. Ein schöner Morgenspaziergang.

Screenshot arbeitsweg_LI

Am Bäcker in der Berliner Straße vorbei, um einen Latte Macchiato zu tanken und ein Laugenzöpfchen einzusammeln für’s zweite Frühstück beim PC-Hochfahren.

An der Kreuzung Pariser Straße lächelte mir ein Autofahrer so lieb zu, dass mir direkt wieder das Filmchen zur Nähe zwischen Fremden in den Sinn kam, das wir am Sonntag bei unserem Ausstellungsbesuch in Frankfurt gesehen hatten. Und außerdem ein Gedicht aus Jugendzeiten, welches mein damaliger Freund sehr mochte. Zumindest die erste Strophe (die dritte Strophe blendet man am Besten völlig aus…), nämlich „Augen der Großstadt“ von Kurt Tucholsky:

Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider –
Was war das? vielleicht dein Lebensglück…
vorbei, verweht, nie wieder.

Den Landwehrweg entlang lief ich hinunter nach Zahlbach. Und dort kam ich an der kleinen Grünanlage rund um die Römersteine vorbei. Bei den netten Schafen, die eine wunderbare Ruhe verbreiten. Besucht die auch mal, wenn ihr Zeit habt! Vielleicht wenn ihr ohnehin einmal in die Stadt wollt. Irgendwo in einer der Seitenstraßen parken, mit den Schafen entspannen und dann die Untere Zahlbacher Straße entlang in die Stadt laufen (10 Minuten bis zum Hauptbahnhof).

Auch am alten Hildegardis-Krankenhaus war ich schon ewig nicht mehr. Dort erblickte damals unsere Große das Licht der Welt. Also ein bedeutungsvoller Ort. Nun ist das Krankenhaus schon eine ganze Weile geschlossen und das Areal verkauft. Da wird es wohl neuen Wohnraum geben. In Mainz braucht es ja immer neuen Wohnraum. Abgesehen von der relativ großen Entfernung zum nächsten Einkaufsladen handelt es sich auch um eine großartige Wohnlage. Wenn ich im Lotto gewinnen würde, wäre der Altbau mir der Kapelle die perfekte Location für die Realisierung meines Traums von einer Familien-WG… Oder einem eigenen Museum… oder beidem zusammen 😉

Um halb 9 kam ich dann auf dem Campus an. Und da gönnte ich mir zum Abschluss eine kleine Runde durch den Botanischen Garten in seiner Frühlingspracht. Erinnert mich daran, dass ich sehr, sehr bald nach Finthen fahren muss, um meinen alljährlichen Spaziergang durch die blühenden Obstbäume genießen zu können. Wer mag mich denn dieses Jahr begleiten?


Kleine Anmerkung zum Schluss: Eigentlich wollte ich euch mit einem schönen Frühlingsgedicht beglücken… Aber dann entschied ich mich doch dafür, Tucholsky mit euch zu teilen – auch wenn ich dem Mercedesfahrer keine schicksalhafte Bedeutung zuschreibe. Als ich aber online ein wenig am Stöbern war, entdeckte ich tatsächlich ein Gedicht mit SCHAFEN. Von Goethe. Oho!

Zieh’n die Schafe von der Wiese,
Liegt sie da, ein reines Grün;
Aber bald zum Paradiese
Wird sie bunt geblümt erblüh’n.

Hoffnung breitet lichte Schleier
Nebelhaft vor unsern Blick:
Wunscherfüllung, Sonnenfeier,
Wolkenteilung bring‘ uns Glück!

In diesem Sinne: Ein fröhliches Mäh allerseits 🙂

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