Tolles altes Zeug: Mein Tag im Museum für antike Schifffahrt Mainz

Am Montag fuhr ich morgens nicht wie gewohnt auf den Unicampus, sondern lief nach einem gemütlichen Kaffee am Bahnhof quer durch Mainz in die Altstadt. Durch die Augustinerstraße gelangte ich zum CineStar und damit auch zu meinem Ziel direkt nebenan, dem Museum für Antike Schifffahrt, das zum Römisch-Germanischen Zentralmuseum gehört.

Ich muss zugeben, dass ich diese Woche zum ersten Mal in diesem Museum war – und das, obwohl der Eintritt gratis ist, man also ganz unkompliziert einfach einmal hineinschneien kann. Weil ich es in meinen 15 Jahren, die ich bereits in Mainz lebe, nie getan habe, dachte ich mir, ich berichte euch zumindest mal davon und ihr fühlt euch vielleicht motiviert, es selbst aufzusuchen… für eure persönliche Weiterbildung oder zur Überbrückung der Wartezeit zwischen Kinokartenabholung und Filmbeginn, als Schlechtwetterprogramm oder vielleicht sogar, weil jemand bei euch daheim eine Leidenschaft für die Antike hat, diese durchaus spannende Zeit.

Im Museum selbst stehen natürlich alte Schiffe im Fokus. Viele Schiffe. Sowohl 1:1-Nachbauten der sogenannten „Mainzer Schiffe“ als auch Wracks und natürlich süße Schiffsmodelle in unterschiedlichen Größen. Auf den ersten Blick fand ich die Ausstellung, die in einer schönen, hellen Räumlichkeit untergebracht ist, relativ übersichtlich, die Erläuterungen zu all den Objekten aber etwas arg textlastig. Mit unserem 4jährigen könnte ich mir einen Besuch hier noch nicht vorstellen. Ich würde sagen, es macht erst ab dem Grundschulalter wirklich Sinn. Dann könnte man auch die Geburtstagsparty ins Museum auslagern und bis zu zehn Kinder eine Weile damit beschäftigen lassen, dass sie kleine Floßmodelle bauen. Für den regulären Kurzbesuch mit der Familie gibt es eine Museumsrallye. Diese wurde auf einem Plakat an der Eingangstür angepriesen und kostet lediglich 2 Euro. (Wer sie erprobt, möge gerne einen Kommentar hinterlassen, ob es Spaß gemacht hat!) Vielleicht sucht aber auch jemand einfach mal ein hübsches Buch für geschichtsinteressierte Kinder und Erwachsene, dem man so vermutlich nicht in der regulären Buchhandlung begegnen würde. Es gab wirklich eine schöne Auswahl im Museumsshop: von einem Bilderbuch über die Odyssee bis hin zu Lebensweisheiten Senecas, dem „Tagebuch“ eines Archäologen,… und passend zum Thema des Museums natürlich auch ein Bastelset für Papierschiffe.

Offenbar wird zunehmend auch mit fortschrittlichen Medien experimentiert, um den Besuchern aller Altersklassen den gedanklichen Ausflug in die Antike zu versüßen. In einer Ecke werden neue Vermittlungsformen erprobt – wie Virtual Reality. Leider kann ich auch an dieser Stelle nichts näheres verraten, denn am Montag war alles abgeschaltet. Eigentlich hat das Museum nämlich montags Ruhetag.

Und was hab ich am Ruhetag im Museum verloren? Ich war auf einer Weiterbildung der Museumsverbände Rheinland-Pfalz und Hessen und habe mich unter die Museumsinsider mischen dürfen. Es ging um Besucherforschung und Evaluation. Die perfekte Symbiose meines Studiums der Kulturanthropologie und meiner aktuellen Tätigkeit in der Evaluation. Und tatsächlich war es sehr interessant, kurzweilig und inspirierend.

Neben dem wirklich gut gemachten Input durch die beiden Referentinnen des Tages war es natürlich auch spannend, ein paar Menschen – vorwiegend Damen – aus unterschiedlichen Museen zu begegnen. In der Kaffeepause hatte ich das Vergnügen, mit Vertreterinnen des Mainzer Gutenbergmuseums und des Naturhistorischen Museums sowie der Koordinatorin der Universitätssammlungen zu plaudern. Die Mittagspause verbrachte ich mit zwei Archäologinnen, die jeweils an kleineren Freilichtmuseen arbeiten. Und während der Vorträge saß ein netter Herr des Eisenbahnmuseums Neustadt neben mir. Er berichtete, dass sie das Museum gerade umbauen und alles ab Mai noch viel toller dort sein werde. Und außerdem kann man ja mit der Museumsbahn, dem Kuckucksbähnel, fahren. Einer Dampflok, wie man sie sich ganz klassisch vorstellt. Jackpot! Ich hatte nämlich schon seit einer Weile recherchieren wollen, wo ein solches Event möglich ist. Die ersten Fahrten der neuen Saison finden am 1. Mai statt und ich hab sie mir direkt in unseren Kalender geschrieben. Das wäre doch ein prima Abschluss für die Osterferien! Ihr wisst ja, dass unser Junior gerne mal Bus fährt… oder auch Zug. Und ich auch. Besonders lachen musste ich, als der nette Herr die Website der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte auf seinem Smartphone mit mir ansurfte und ich feststellen durfte: Sogar in meiner Heimatstadt Würzburg kann man mit alten Eisenbahnen fahren. Und ich wusste gar nichts davon! Guckt mal hier! Wer es Hardcore mag, kann sich beispielsweise Ende September von Würzburg in 2,5 Stunden nach Coburg bringen lassen – und nach einem gemütlichen Nachmittag am selben Tag wieder zurück tuckern. Also insgesamt rund 5 Stunden mit der Dampflok durchs Frankenland fahren. (Das Familienticket kostet übrigens 162 Euro…)

Resümee des Tages war definitiv: Viel dazu gelernt!

(Ein dickes Dankeschön an den Museumsverband Rheinland-Pfalz, der mir diesen schönen Tag beschert hat!)

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