Die Hardenburg bei Bad Dürkheim

Von Karfreitag bis zum 1. Mai hatten wir – mit wenigen Tagen Unterbrechung – Besuch aus Amerika bei uns, den Cousin meines Mannes. Und so gab es ein hübsches Ausflugsprogramm, das uns auch aus Mainz heraus führte. Nachdem wir am Ostersonntag Bingen und Rüdesheim mit der gesamten Familie angegangen waren, entschlossen wir uns am letzten Aprilsonntag für die Hardenburg bei Bad Dürkheim. Schöne alte Gemäuer, Wald drumherum,… so stellen sich die Amerikaner Deutschland doch vor, oder?

Mit sechs Erwachsenen und drei Kindern zogen wir los, um von der Klosterruine Limburg zur Burgruine Hardenburg zu wandern. Zweimal spannende Orte vergangener Zeiten für Groß und Klein. Das war der Plan.

Die Ausschilderung unseres Startpunkts war jedoch nicht ganz ideal. Die Klosterruine Limburg sahen wir schließlich an diesem Tag nur aus der Ferne. War aber nicht schlimm. Heikler war die schlechte Wetterprognose für den Nachmittag. Daher wollten wir nicht unnötig Zeit verlieren, solange es trocken war. Als wir uns irgendwann alle erfolgreich auf einem Parkplatz am Waldrand zusammengefunden hatten, starteten wir Google Maps und ließen uns  in die richtige Richtung navigieren.

Gerade als wir losliefen, fielen die ersten Regentropfen. Kapuzen auf, Schirme ausgepackt,… und dankbar sein, dass der Wald den Regen weitgehend abhält. Es waren erfreulicherweise nur ein paar Tropfen, so dass wir kaum nass und die Kinder nicht einmal im Ansatz quengelig wurden. Ohnehin: die Stimmung war bei allen Kids prima – beim 4jährigen, der 7jähigen und der 10jährigen.

Eigentlich bin ich nicht der große Waldläufer, weil mir Wald tendenziell zu monoton ist, aber die Kids lieben den Wald und seine Stöcke, Wurzeln, Höhlen, Mulden,… Ich mochte vor allem den See, mit dem ich so gar nicht gerechnet hatte. Ein schöner, idyllischer Ort, der zum Verweilen einlud – was wir natürlich nicht taten, denn wir waren eben erst gestartet.

Etwa eine Stunde lang waren wir zu Fuß unterwegs. Hoch motiviert und frohgemut. Juniors erstes Schwächeln zeigte sich dann kurz vor der Ankunft an der Burg: „Mama, kannst du mich tragen?!“ Natürlich nicht. Es war aber auch nicht nötig, denn der blaue GPS-Punkt auf dem Handy verkündete bereits: „Gleich da!“ und nach wenigen Minuten hatten wir das Ziel erreicht. Mit dem Anblick der Burgruine kehrten auf wundersame Weise auch die Energiereserven der Kinder zurück. Begeistert entdeckten sie die verschiedenen Winkel der Hardenburg.

Am Eingang erhielten wir einen Übersichtsplan der Anlage und die beiden Mädels begannen, die Erkundung systematisch anzugehen: „Da waren wir noch nicht, da müssen wir noch hin!“ Karten lesen auf spielerische Art.

Ein Bildungstrip war es zugegebenermaßen nicht. Wir hätten uns einen Audioguide ausleihen können, um auch etwas über die Burg zu erfahren. Ich bin eigentlich ein echter Fan von Audioguides. Aber dieses Mal ließen wir schlicht das Ambiente auf uns wirken und die Kids fröhlich alles erkunden. In manch dunkler Ecke kam sogar die Taschenlampe zum Einsatz und die Jüngste leuchtete den anderen den Weg. Ein bisschen Abenteuerfeeling.

In einem etwas abseits gelegenen Gang machten die Männer für die Kids Gespenstergeräusche. Huuuhuuuuuu, hahahahaha, hohooooo, schallte es bis in den Garten, wo ich gerade mit den anderen die Sonne genoss. Ja, Sonne!!! Wir hatten wirklich riesiges Glück! Nach den wenigen Regenminuten hatten wir Petrus auf unserer Seite. Gut, dass uns die Wetterprognose nicht von unserem Ausflug abgehalten hat!

Da ich mich an diesem Tage so gar nicht mit der Geschichte dieses Ortes befasste und ehrlich gesagt auch jetzt noch keinen Drang dazu habe, müssen interessierte Menschen selbst recherchieren, wie das Leben auf der Burg vonstatten ging, wer dort eigentlich wann wohnte,…

Aber während ich auf historische Fakten gerade keine Lust habe, finde ich, dieser Ausflug ist ein hervorragender Anlass, um euch wieder ein grandioses Gedicht vorzustellen. Ich lernte es selbst erst kürzlich kennen, als zwei Arbeitskolleginnen und ich uns darüber unterhielten, welche Gedichte wir noch auswendig kennen. Auf Rilkes „Panther“ folgte (nicht mehr hundertprozentig auswendig) Schillers „Der Handschuh“ aus dem Jahr 1787. Geniale Ballade! Träumt euch ins Burgambiente!

Der Handschuh

Vor seinem Löwengarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Franz,
Und um ihn die Großen der Krone,
Und rings auf hohem Balkone
Die Damen in schönem Kranz.
Und wie er winkt mit dem Finger,
Auftut sich der weite Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Ein Löwe tritt
Und sieht sich stumm
Ringsum
Mit langem Gähnen
Und schüttelt die Mähnen
Und streckt die Glieder
Und legt sich nieder.
Und der König winkt wieder,
Da öffnet sich behend
Ein zweites Tor,
Daraus rennt
Mit wildem Sprunge
Ein Tiger hervor.
Wie der den Löwen erschaut,
Brüllt er laut,
Schlägt mit dem Schweif
Einen furchtbaren Reif
Und recket die Zunge,
Und im Kreise scheu
Umgeht er den Leu,
Grimmig schnurrend,
Drauf streckt er sich murrend
Zur Seite nieder.
Und der König winkt wieder,
Da speit das doppelt geöffnete Haus
Zwei Leoparden auf einmal aus,
Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
Auf das Tigertier;
Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
Und der Leu mit Gebrüll
Richtet sich auf, da wirds still;
Und herum im Kreis,
Von Mordsucht heiß,
Lagern sich die greulichen Katzen.
Da fällt von des Altans Rand
Ein Handschuh von schöner Hand
Zwischen den Tiger und den Leun
Mitten hinein.
Und zu Ritter Delorges, spottenderweis,
Wendet sich Fräulein Kunigund:
„Herr Ritter, ist Eure Lieb so heiß,
Wie Ihr mirs schwört zu jeder Stund,
Ei, so hebt mir den Handschuh auf!“
Und der Ritter, in schnellem Lauf,
Steigt hinab in den furchtbaren Zwinger
Mit festem Schritte,
Und aus der Ungeheuer Mitte
Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.
Und mit Erstaunen und mit Grauen
Sehns die Ritter und Edelfrauen,
Und gelassen bringt er den Handschuh zurück.
Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
Aber mit zärtlichem Liebesblick —
Er verheißt ihm sein nahes Glück —
Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:
„Den Dank, Dame, begehr ich nicht!“
Und verläßt sie zur selben Stunde.

 

Die Kinder waren aus der Burgruine kaum wegzubekommen. Eigentlich war also nur ich quengelig. Denn langsam hatte ich Hunger wie ein Löwe. Es war bereits nach 13 Uhr! Erfreulicherweise gibt es in unmittelbarer Nähe der Hardenburg zwei Lokale: Oben direkt neben der Burg die etwas kleinere „Lindenklause“, unten am Parkplatz das größere „Hotel Restaurant Waldschlöss“. Wir wählten die „Lindenklause“ und bereuten es nicht. Selbst der Salat zum Schnitzel mit Bratkartoffeln war schon wunderbar anzusehen! Die Kinder mussten allerdings verkraften, dass es dort tatsächlich KEINE Pommes gibt. (Neben Bratkartoffeln stehen aber Spätzle und hausgemachter Kartoffelbrei zur Auswahl!)

Wir schlemmten und saßen gemütlich beisammen. Die Kinder fanden in ihren Bäuchen sogar noch Platz für ein Nachtischeis. Das war zugleich die Stärkung für die Rückreise, denn die Kids fuhren im Anschluss mit meinem Liebsten zurück nach Mainz. Mein Mann hatte auf die Wanderung verzichtet und war mit dem Auto zur Hardenburg gefahren. Sein Fuß wollte noch geschont werden und es war absehbar, dass die Kinder den Rückweg nur mit deutlich weniger Motivation absolvieren würden. Für sie war der Ausflug auch so rund gewesen: Wald, Burg, Essen, Eis – danach kann man auf jeden Fall heim zum Spielen. Uns Erwachsenen tat ein Verdauungsspaziergang jedoch gut und wir freuten uns auf den idyllischen Rückweg zum Auto.

Es blieben also für das weitere Ausflugsprogramm in die Bad Dürkheimer Innenstadt noch drei Mainzer, eine Würzburg-Rhönerin (meine Mam) und der Cousin aus Colorado.

Bad Dürkheims Innenstadt ist nicht allzu groß. Wir wollten sie einfach kurz ablaufen,  um einen kleinen Eindruck von diesem Ort in der Pfalz zu gewinnen, der bislang auch für mich Neuland gewesen war. Da am großen Parkplatz direkt Empfehlungen für Rundgänge aufgestellt sind, macht es einem die Stadt mit den Erkundungen wahrlich leicht.

Zu Beginn natürlich: Das größte Fass der Welt. Bad Dürkheims Klassiker. Für uns gab es aber etwas Hübsches on top: Als wir ankamen, fuhr gerade eine Seniorengruppe in diesem wunderschönen Retro-Bus vor, den ihr unten auf dem Bild seht – und dessen wahre Pracht gar nicht in diesem Schnappschuss einzufangen ist. Der war so klasse! Damit würden wir auch gerne unseren nächsten Familienausflüge machen…

Es folgte ein kurzer Abstecher in den Kurpark, vorbei an unzähligen Spielhöllen, Cafés und Restaurants. Was man als Kurgast offenbar so macht…

Am Ende des Tages zogen wir das Resümee, dass wir – auch ohne schicken Bus – zukünftig mehr gemeinsame Ausflüge im großen Familienkreis machen wollen, weil dafür eigentlich nicht extra ein Cousin aus der Ferne anreisen muss. Und ich zog für mich erneut das immer wiederkehrende Resümee, dass es wirklich unglaublich ist, wie viele interessante Orte man innerhalb von einer Stunde Fahrtzeit in der Region rund um Mainz entdecken kann. Und dass es unglaublich ist, dass wir das bislang kaum gemacht haben! Ich habe noch so viel vor! Das einzige Problem daran ist, dass ich mit dem Blogbeiträgeschreiben gar nicht hinterher komme… 😉

Fazit: Auf in die Pfalz! Die hat einiges zu bieten!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s