Entdeckergeist, Spieltrieb und Experimenta!

Die Qual der Wahl – ein Luxusproblem

Unser Problem am Sonntag letzter Woche war definitiv ein Luxusproblem. Es lautete schlicht und einfach: Was wollen wir mit diesem Tag anfangen? Die Frage stellt sich natürlich regelmäßig, aber an diesem Wochenende unterschied sich die Aufgabenstellung durch den ungewohnten Kontext: 1.) Wir befanden uns nicht in bekannten Gefilden, sondern nach unserem Samstagsausflug ins Musical „Aladdin“ noch in Stuttgart, 2) wir wollten den Tag mit meiner Mam und ihrem Freund verbringen, suchten also ein interessantes Programm für 4- bis 60jährige sowie für Ladies und Gentlemen, und 3.) sagte die Wetterprognose: Achtung, es wird nass!

Das Porsche Museum in Stuttgart wurde angedacht und das Technik Museum in Sinsheim – aber letztlich bekam die Experimenta in Heilbronn den Zuschlag, weil sie so praktisch auf unserem Heimweg nach Mainz bzw. nach Würzburg und in die Rhön lag. Und weil wir uns erhofften, dass es dort für alle Altersklassen interessant sein würde. Niemand von uns war bislang dort gewesen. Im Nachhinein stellten wir fest, dass ein früherer Besuch kaum möglich gewesen wäre, weil die Experimenta erst Ende März 2019 in den neuen, großzügigen Räumlichkeiten am „Experimentaplatz“ und direkt neben dem Gelände der aktuell laufenden Bundesgartenschau eröffnet worden war. Alles brandneu und sehr modern!

Ein Museum für kleine und große Forscher

Bevor wir unsere eigene Entdeckungsreise durch die drei Etagen der „Entdeckerwelten“ starteten, testeten wir die „Erlebniswelten“ im Science Dome: Der Film „Am Limit“ nahm uns zu Beginn mit in ein Rallye-Auto. In einem Affenzahn rasten wir durch den Wald. Gefühlt zumindest. Später jagten wir mit einem Sportwägelchen über animierte Highways. Ich war froh, dass unser Jüngster das Erlebnis genoss, denn es war wirklich etwas seltsam: Gefühlte Bewegung während man einfach in einem bequemen Sessel sitzt. Da kann einem schwindelig werden! Geschwindigkeit war das Thema des Films – und gleichzeitig regte er dazu an, in unseren schnellen Zeiten immer wieder innezuhalten, um sich vom Rausch des Höher, Schneller, Weiter auszuruhen und neue Energie zu sammeln. Wie ein Auto, das manchmal eben doch tanken muss.

Wir wären gerne nochmal in den Science Dome gegangen, um uns auch die nächste Vorführung anzusehen – wenn man schon einmal hier ist (es gibt derzeit sieben verschiedene „Entdeckungsreisen“). Aber das war so nicht vorgesehen: Pro Aufenthalt gibt es nur einen Film. Ja, vielleicht auch gut so. Schließlich macht es doch mehr Sinn, selbst aktiv zu werden statt sich mehrfach entertainen zu lassen. Also ab in die 1. Etage, deren Motto „StoffWechsel“ lautet. Was steckt hinter den Dingen, die uns umgeben? Das ist die zentrale Frage, welche die verschiedenen Stationen dieses Ausstellungsbereichs verbindet. Wie klingen verschiedene Materialien, wie zerbrechlich sind sie? Wie fällt ein Wassertropfen? Wie fühlt sich Wind eigentlich an? Kann man mit Licht malen?

Wir trieben uns etwa eine Stunde lang nur in dieser Etage herum. Es gab so viel auszuprobieren! Interessanterweise bestanden zahlreiche Stationen aus Bildschirmen. Für die technik- und computeraffine Jugend sicherlich kein schlechter Schachzug. Mein Liebster und ich testen unsere Zusammenarbeit (sie ist gut!), er ließ sich ein Feedback zu seiner Musikalität geben, ich durchlief den „Berufefinder“ und bekam auf Grund meiner Antworten gesagt, dass ich mich vorwiegend für „forschende“ Tätigkeiten interessiere, außerdem für „soziale“ und „ordnende“, ein wenig auch für „kreative“ und so gar nicht für „praktische“ Tätigkeiten. Möglicherweise spiegelt der Test aber auch schlicht meine aktuelle Situation wider, gar nicht so sehr grundsätzliches Interesse: Forschendes Denken gehört zu meinem beruflichen Alltag und ein Studium habe ich immerhin auch in diesem Denkmodus absolviert. Demgegenüber habe ich vor kreativem Denken mitunter zu viel Respekt und traue mir nicht zu, dass meine kreativen Ergebnisse „gut genug“ sein könnten, um eine Existenzberechtigung zu haben. Ähnlich verhält es sich mit „praktischen Tätigkeiten“: etwas bauen, gärtnern, schneidern, reparieren,… Ich bewundere die Menschen, die all dies tun, weil sie am Ende des Tages etwas geschaffen haben, das man anfassen kann, das funktioniert,… aber irgendwie bin ich diesbezüglich bislang zu viel Faultier gewesen, zu sehr Bücherwurm und Wandervogel.

Aber egal welcher Typ Mensch man ist und woran man seine Freude hat: In der Experimenta gibt es vermutlich für jeden etwas zu entdecken, das er in Gedanken mit nach Hause nimmt. Unsere Große, die Sportskanone, fand die größte Freude an all den Dingen, die mit Bewegung zu tun hatten. Anschleich-Training über knarzende Dielen, Sprünge auf imaginäre Holzplatten, Fließen oder Stahl – das ist ihr Ding.

Außerdem Knobelaufgaben mit sportlichem Hintergrund: Der Torwart folgt bei der Abwehr der Bälle einer von vier möglichen Regeln – und nach fünf Schüssen sollte man herausgefunden haben, nach welchem System er sich verhält. Für unsere Analystin keine riesige Herausforderung – aber ein großer Spaß.

Auch unser Junior genoss die insgesamt drei Stunden Aufenthalt in den Ausstellungsräumen ohne müde zu werden. Sein Highlight war definitiv die Papierflieger-Flugstation. Hunderte von Fliegern ließ er vom kleinen Türmchen durch die Luft pusten. Nochmal und nochmal und nochmal. Am Ende hatte er es perfektioniert und konnte den anderen Kindern, die neu an die Station kamen, erklären, wie der Spaß funktioniert. Unser kleiner Flugexperte.

An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich ein wenig ignorant bin… Im Vergleich zum Rest der Familie war ich gewiss diejenige, die am wenigsten ausprobiert hat und am schwersten zu begeistern war. Ich gebe zu, dass es mir schwer fällt, wirklich Muse dafür aufzubringen, mich mit dem Funktionieren von Dingen zu befassen. Gerade naturwissenschaftliche Phänomene finde ich zwar grundsätzlich irgendwie faszinierend, aber ich kann kein vertieftes Interesse aufbringen. Für mich standen schon immer vorwiegend Menschen im Vordergrund, also soziologische, psychologische oder kulturelle Zusammenhänge. Mit Literatur aus diesem Bereich könnt ihr mich irgendwo hinsetzen und ich fühle mich wohl. Kommt ihr mir mit Naturwissenschaften, falle ich möglicherweise direkt in Tiefschlaf (Wirklich! Wenn ich als 16jährige nicht einschlafen konnte, holte ich mein Physikbuch – und nach einer Seite war ich weg.) Entsprechend war ich also auch an diesem Sonntag der Banause vom Dienst, der nach einer Weile ungeduldig mit den Hufen scharrte: Mögen die Kinder ruhig ihre Freunde an all den Dingen haben – aber ich muss hier raus!

Raus aus dem Haus: Mini-Rundgang durch Heilbronn

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Museumsrestaurant (Günstig! Latte macchiato für 1,60 Euro!) war mein Liebster so gut, die Kinder wieder mit in die Entdeckerwelten zu nehmen, während ich mit meiner Mam eine Runde durch die Innenstadt von Heilbronn drehte. Sonst hätte ich ja genau genommen auch nicht sagen können, dass ich „schon mal in Heilbronn gewesen“ bin. Ich brauchte ganz unbedingt zumindest einen kleinen Eindruck von der Stadt – und ein wenig Auslauf. Yasmin muss regelmäßig Gassi geführt werden, sonst ist sie unglücklich…

Und abgesehen davon, dass es mir gut tat, habe ich dadurch natürlich auch meinen Horizont erweitert und kann an dieser Stelle allen Menschen mit Kindern berichten, dass direkt neben der Experimenta ein passender kleiner Spielplatz für sonnige Tage angelegt wurde: Ein Spielplatz zum Experimentieren mit Wasser! Und falls ihr die Kinder von dort wieder loseisen wollt, könnt ihr sie möglicherweise damit locken, dass es auf der anderen Seite der Brücke am Hafenmarktturm einen weiteren schönen Spielplatz gibt – mit Eisdiele und Urlaubsfeeling. Seht ihr den Leuchtturm auf dem Foto? Ein kleines bisschen Nordseeflair mitten in Baden-Württemberg.

Hier eine kleine Orientierungshilfe zum Schluss… Heilbronn, so mein Fazit, ist eigentlich ganz niedlich. Und nur 1,5 Stunden von Mainz entfernt.

heilbronn

„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.“ (Galileo Galilei)

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