Statt Freibad: Klettern an der Lauschhütte im Binger Wald

Diese Woche war es richtig sommerlich heiß. Freibadwetter! Aber was tun, wenn man irgendwann keine Lust mehr auf Schwimmen hat und dennoch nicht im abgedunkelten Haus rumsitzen mag? Ich empfehle einen Ausflug in den Wald!

Gestern habe ich die angenehmen Temperaturen im Lennebergwald mit meinem Buch genossen und dort etwas Wartezeit nach der Arbeit überbrückt (immer eine Reise wert!), heute machte ich mit der Großen und einer ihrer Schulfreundinnen einen Ausflug in den Binger Wald. Wir hatten ihrer Freundin zum Geburtstag nämlich einen Gutschein für ein gemeinsames Kletterevent geschenkt – statt dem in diesem Alter offenbar üblich werdenden Gutschein eines sehr bekannten Onlineshops… (Was soll ich schenken? Ein Thema, das immer wieder auftaucht, wie ihr hier seht.) Und weil wir natürlich seriöse Gutschein-Schenker sind, die auch darauf achten, dass das Versprechen gehalten wird, kümmerten wir uns direkt um die Terminvereinbarung. Heute war der Tag gekommen und, klar, das Wetter sprach definitiv für einen schattigen Kletterwald.

Willkommen in der Lauschhütte

Wir kamen um halb 12 nach 40minütiger Autofahrt vor Ort an. Die Mädels wollten erst einmal Pipi machen gehen und entschieden sich dann direkt für die Stärkung vor dem Klettern. „Ich hab so ein Loch im Bauch! Ich fall sonst vom Baum!“

Also gab es die Pause schon bevor das Hauptprogramm gestartet hatte. Ist recht. Die Mädels wollten dann tatsächlich im Innenraum des Restaurants sitzen, nicht auf der schönen, schattigen Terrasse! Verblüffend… aber auch recht. Zumindest wurden wir nicht von Wespen behelligt. Und die albernen Elfjährigen nervten auch die anderen Gäste nicht, als sie ihre Forschungen zur Entfernung zwischen unserem Tisch und den Damentoiletten diskutierten. Mehrfach hatten sie den Weg beschritten und auch ich musste mitdiskutieren, wie viele Schritte man exakt für die Strecke benötigen würde. 30 Schritte, lautete meine Antwort und damit bewegte ich mich im Mittelfeld ihrer Ergebnisse. Der nette Typ, der sich um unsere Bestellung kümmerte, stieg hochmotiviert mit ins Forscherteam ein. Aufgrund seiner Größe benötigte er natürlich weniger Schritte. Und schon sahen sich die Mädels veranlasst, einen Wettbewerb aus der Geschichte zu machen. Was bislang 30 Schritte benötigte, gelang ihnen schließlich unter großem Aufwand mit neun (!!!) Schritten. Und der nette Kerl hatte natürlich ganz nebenbei und mit überschaubarem Aufwand zwei Fans generiert. „So einen lustigen Mann hab ich sonst noch in keinem Restaurant getroffen“, lobte die Freundin unserer Großen, die in ihrem noch jungen Leben bereits weit gereist war. Eine echte Auszeichnung für die Lauschhütte also. Den Beilagensalat kann ich übrigens auch empfehlen. Aber das nur so am Rande…

Irgendwann erinnerten sich die Mädels daran, dass wir ja eigentlich zum Klettern gekommen waren, nicht zum Essen. Ich bot noch an: „Wir können auch eine kleine Wanderung machen, wenn eure Bäuche nun zu voll sind…?!“ Aber klar, mein Vorschlag wurde abgelehnt. Auf in die Bäume, fertig, los!

Der Kletterwald neben der Lauschhütte

Die Mädels bekamen zunächst eine Einführung von einem der drei anwesenden Kletterparktrainer. Dieser merkte schnell, dass er es, nun ja… quasi mit zwei Profis zu tun hatte. Also ab in den kleinen Übungsparcours und dann nichts wie rauf in luftige Höhe.

Die Mädels starteten beim Parcours mit der geringsten Schwierigkeit und arbeiteten sich langsam durch: blau, grün, rot. Nur für die schwarze Strecke reichte es noch nicht, die ist eher für größere Menschen gebaut worden.

Die Mädels hangelten sich von einer Station zur nächsten. Über verschiedenste Versionen wackeliger Hölzer, über ein Spinnennetz aus Seilen, in einem Eimer, mit einer Seilbahn,… unermüdlich. Ich hatte kurz überlegt, ob ich mit in die Bäume sollte. Ein bisschen Sport machen, das Erlebnis mit den Mädels teilen. Letztlich entschied ich mich jedoch dafür, unten am Boden zu bleiben und in der Zeit zu entspannen, vielleicht ein wenig zu lesen oder aber einfach nichts zu tun, außer alles auf mich wirklich zu lassen. Das war nicht die mutigere Entscheidung, aber gewiss die authentischere. In vielerlei Hinsicht unterscheide ich mich von den anderen Mitgliedern meiner Familie. Unter anderem in der Antwort auf die Frage: „Na, Lust klettern zu gehen?“ Alle würden „Ja!“ rufen – nur ich nicht. Manchmal fühle ich mich deshalb noch immer unzulänglich: Zu wenig abenteuerlustig. Zu unsportlich. Zu wenig engagiert. Zu wenig anpassungswillig. Gelegentlich springe ich dann über meinen Schatten, raus aus meiner Komfortzone. Das ist manchmal gut, weil so auch ich noch Dinge tue, die ich eigentlich nicht unbedingt tun würde, die dann aber doch gar nicht so übel sind. Manchmal ärgere ich mich auch, weil ich mir nicht einfach treu geblieben bin. Aber bei diesen tropischen Temperaturen fiel die Entscheidung dieses Mal schnell und unkompliziert: Nee, heute keine großen Sprünge. Schon gar nicht über meinen eigenen Schatten.

Ich ging die zwei Stunden ruhig an. Geradezu ein bisschen meditativ. Ich „nutzte“ die Zeit nicht, obwohl ich sogar Sachen aus dem Büro dabei hatte, die ich hätte durchsehen können, sondern war einfach nur da. Zwischendurch machte ich sogar eine Mini-Meditation von zehn Minuten auf meiner Bank im Grünen. Augen zu, Ohren auf, nur lauschen. Und dabei vor allem auch aus dem Gedankenkarussell aussteigen.

Die Mädels zogen am Ende das Fazit, dass es sehr hübsch gewesen sei, im Binger Wald zu klettern. Sie waren gut durchgekommen und hatten ein paar kleineren Kletterkindern sogar noch geholfen, wenn gerade kein Trainer in Sichtweite war. Aber es hätte ihrer Ansicht nach bequemer sein können, so wie beim Kletterwald auf dem Wiesbadener Neroberg, bei dem man sich nicht ständig ein- und ausklicken muss, um sich zu sichern. Das konnte ich zwar nachvollziehen, aber lustigerweise sprachen sie damit gerade den Punkt an, der mir bei meiner Mini-Meditation ganz besonders aufgefallen war: Das beständige Klick-Geräusch, das einen an diesem Ort umgibt und das irgendwie etwas sehr Beruhigendes hat. Ich glaube, ich fände es schade, wenn es wegfallen würde…

Der Erlebnispfad Binger Wald… eigentlich auch was für die Kleinen

Nun war es an diesem Tag ein Ausflug mit zwei Elfjährigen. Unseren Junior hätte ich schlecht mit in den Kletterpark nehmen können. Gegenüber gibt es zwar einen ganz kleinen Kletterrundlauf (siehe Foto), aber vermutlich hätte er einfach ein wenig im Wald gespielt. Die Natur ist doch meist der schönste Ort zum Spielen. Im Wald ist mein Kleiner eigentlich immer ein glücklicher Kerl.

Mit diesem Gedanken hatten wir vor einigen Wochen einen Ausflug mit einer Freundin und deren drei Kindern gemacht. Eigentliches Ziel waren die Baumgeister des Binger Walds, in Baumstämme geschnitzte Gesichter.

Wir landeten dann aber auf dem Erlebnispfad Binger Wald und liefen vom Parkplatz bis zum Lokal, was etwa ein Drittel des Weges war. Und dann schlicht auf demselben Weg zurück. Mit den Kids kommt man ja nicht weit und sie jammerten ständig: „Wo sind denn nun die Baumgeister?“

Merke: Nie vorher sagen, was es möglicherweise zu sehen gibt! Falls es nicht klappt, ist die Enttäuschung groß und alles andere Schöne wird nicht angemessen wertgeschätzt. Der Wanderweg war nämlich wirklich gut gemacht! Abwechslungsreich, nicht anstrengend, mit ein paar netten Gimmicks. Wirklich toll für ansatzweise aufgeschlossene und nicht zu lauffaule Kinder. Unsere zählten an diesem Tag leider nur eingeschränkt zur Zielgruppe.

Aber eines Tages kommen wir wieder. Mit Proviant, Zeit und Lust, aber ohne Erwartungen,… und dann laufen wir den gesamten Rundweg. Der ist nämlich nur 4,5 Kilometer lang. Also wirklich zu bewältigen.

Viel zu tun im Binger Wald

Übrigens kann man nicht nur Wandern und Klettern, sondern direkt an der Lauschhütte auch Bogenschießen und Fußballgolf spielen. Irgendwo gibt es sicherlich auch einen „richtigen“ Spielplatz, aber den hab ich bislang nicht gesehen. Ach ja, und die Waldgeister… die wollen auch noch besucht werden.

Wieso sind wir eigentlich in den Ferien bis nach Holland gefahren? Bingen hätte doch auch gereicht…?!

4 Gedanken zu “Statt Freibad: Klettern an der Lauschhütte im Binger Wald

    • mainzelmama schreibt:

      Warst du wirklich genau in dem Moment da???
      Danke auch fürs Kompliment! Ist meine neue Brille, nachdem die alte spurlos verschwunden ist (Junior weiß angeblich nicht wohin…)

      Liken

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