Jammerfasten mit Peter – mein Resümee

16 Tage „Jammerfasten“ liegen hinter mir. Und 16 kleine Videos von Peter Beer, dem Gründer der Achtsamkeitsakademie. Jeden Morgen freute ich mich auf seine Botschaft des Tages und versuchte, das Video möglichst früh zu gucken. An manchen Tagen klappte es dennoch erst am Abend, so wie gestern, als ich es erst um 23.30 Uhr schaffte, weil mein Sonntagsprogramm so voll gepackt war.

Wie lautet mein Resümee? Hat sich mein Leben verändert? Oder zumindest irgendetwas an meinem Denken und/oder Handeln? Nie wieder jammern, schimpfen, nörgeln, lästern?

Ganz so einfach ist es nicht. Aber es fällt mir zumindest öfter auf, wenn ich negativ spreche. Ich jammere sozusagen bewusster. Manchmal bemerke ich es erst, wenn es zu spät ist, manchmal denke ich: „Sei’s drum. Ich mag das jetzt loswerden…“ Aber das ist nicht schlimm, sondern auch eine Form des Erkenntnisgewinns und damit ein Schritt auf dem Weg zu so etwas wie innerem Frieden und harmonischem Miteinander. Denn dann überlege ich, WARUM ich gerade jammere, schimpfe oder schlecht über andere denke.

Laut Peter gibt es primär fünf Gründe für Jammern, Schimpfen, Lästern: 1. Der Wunsch nach Aufmerksamkeit bzw. 2. der Wunsch nach Gemeinschaft(sgefühl), 3. Neid und dadurch der Bedarf, andere(s) schlecht zu machen, 4. der Versuch eigene schlechte Leistungen zu verschleiern, indem man schlecht über andere redet und 5. die Taktik eine andere Person durch das eigene Jammern oder Schimpfen zu etwas bestimmtem zu bewegen. Wenn ich mich nun wieder ertappe, dann überlege ich mittlerweile: Was ist da bei mir los? Bei mir ist es vor allem der Wunsch nach Aufmerksamkeit („Kann mir mal jemand das Köpfchen streicheln, ich bin ein armes Häschen…“) oder aber auch doofe, unbewusste Taktik (z.B. Rummaulen und Nörgeln in der Hoffnung, dass der Mann dann die Kinder ins Bett bringt, weil frau offensichtlich keine Nerven dazu hat – und vielleicht auch, um sich selbst und die Kinder den yasminschen Gewitterwolken zu entziehen…). Und manchmal ist es einfach auch die schlechte Gewohnheit, mehr über Negatives zu reden statt die schönen Seiten des Lebens wahrzunehmen. Peter entschuldigt das in einem seiner Videos damit, dass unser Gehirn eben seit steinzeiten darauf ausgerichtet sei, nach potenziellen Gefahren und Problemen Ausschau zu halten. Es bedarf entweder einer tollen Sozialisation in der Kindheit, die einem die wünschenswerte positive Art zu Denken bereits vermittelt hat, oder aber man muss üben, üben, üben. Ich übe also.

Wenn ich ein Video aus 16 Tagen Jammerfasten auswählen müsste, dann würde ich euch Video 8 empfehlen, weil es wirklich eine wichtige Botschaft bereit hält. Ich hatte diese schon an anderer Stelle vernommen und für mich selbst immer wieder bestätigen können – und nun hörte ich sie in den letzten Tagen eben noch einmal von Peter: Wenn du dich über jemanden oder etwas ärgerst, sagt dir das mehr über dich selbst als über den Anderen. Denn unsere Gedanken und „inneren Programme“ bestimmen unsere Wahrnehmung und die daraus folgenden Emotionen. Ich werde beispielsweise gelegentlich in meiner Kommunikation mit unserer Großen ungehalten und sie fragt sich dann sicherlich, wieso ich so barsch mit ihr rede: „Du könntest ruhig auch mal was beitragen! Räum wenigstens mal die Spülmaschine aus!“ Man kann das in nettem Tonfall sagen, wenn ich es sage, bin ich aber meist schon ein wenig gereizt. Nun sagt mein Ärger allerdings nicht nur aus, dass meine Tochter ein Genießertyp ist (wie vermutlich die meisten Kinder) und sich nicht um einen Beitrag im Haushalt reißt, weil sie sich auch anderweitig zu beschäftigen weiß. Dass mich das Thema emotional manchmal wirklich hochfahren lässt, sagt mir auch etwas über mich: Dass ich die Sehnsucht habe, auch einfach mal nur meinen eigenen Interessen nachzugehen, ganz wie ich mag. Dass ich auch Lust hätte, mich mal um nichts zu kümmern und es andere machen zu lassen. Dass ich es unfair finde, wenn ich die Dienerin meiner Kinder spiele und sie sich metaphorisch gesprochen die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Das könnte ich nämlich auch gut. Es ist vielleicht nur ein kleines, simples Beispiel, aber ich kann es oft an mir oder auch an anderen beobachten. Die Dinge, die uns wütend oder traurig machen, die starke negative Emotionen hervorrufen, sind Botschafter unserer Wünsche und Bedürfnisse. Und deshalb sind gerade auch diese zunächst unangenehmen Gefühle hilfreich und gut. Sie haben uns etwas zu sagen und wir sollten uns ihnen aufmerksam zuwenden.

Ein zweites Alltagsbeispiel aus meiner persönlichen Marottenkiste: Ich hatte lange Zeit Schwierigkeiten damit, meinen Mann einfach in Ruhe abends fernsehen oder irgendein Onlinegame spielen zu lassen. Klingt total seltsam, weil fernsehen oder daddeln ja in unserer Gesellschaft wirklich eine ganz normale Abendbeschäftigung ist und er das auch gar nicht so unglaublich exzessiv betreibt, wie man nun meinen könnte, wenn ich davon spreche. Trotzdem hat es mich mitunter innerlich wahnsinnig gemacht. Nun ist mein Mann natürlich kein objektiv schlechter Mensch, weil er gerne mal fernsieht oder Computer spielt. Es entspannt ihn eben, sagt er. Und irgendwann stellte ich fest, dass ich aufhören sollte, ihn deshalb regelmäßig von der Seite anzugiften, denn es war MEIN Thema, das es zu lösen galt, nicht seines. ER war ja zufrieden. Was sagte es mir über mich? Meine starke Abneigung gegen diese Beschäftigung beruhte einerseits auf der eigenen Angst vor Zeitverschwendung: Wie kann man den kostbaren Abend nur mit so etwas Sinnlosem verbringen???! Ganz offensichtlich hatte auch ich einen Bedarf nach zweckfreier Beschäftigung und dem Gefühl, nicht immer nur funktionieren und etwas leisten zu müssen – erlaubte es mir aber nicht. Weil er sich das „einfach so“ gönnte, war ich latent neidisch. Daneben gab es noch einen zweiten Punkt: Der Wunsch nach Aufmerksamkeit und das innere Entsetzen darüber: „Beschäftigt er sich wirklich lieber DAMIT als mit MIR? Ernsthaft?!“ Der gekränkte Stolz… Als mir das alles irgendwann einmal klar wurde, konnte ich damit arbeiten statt weiterhin zu zicken, zu schmollen oder mich schlecht und unzureichend zu fühlen. Die negative Emotion verpuffte. Ich konnte es konstruktiv angehen: Wenn ich Aufmerksamkeit wollte, sagte ich es einfach, statt schlecht gelaunt darauf zu warten – und mein Mann wandte sich mir natürlich gern zu. Welcher Mann freut sich nicht, wenn seine Gattin ihm sagt, er soll sich nun mal zu ihr aufs Sofa kuscheln, sie möchte ihn bei sich haben? (Okay… wenn Schalke gegen Mainz spielt ist es ein schlechter Zeitpunkt…) Und wenn er auf seine eigene Weise entspannen wollte, dann ließ ich ihm seinen Spaß. Ist ja SEIN Spaß. Und dann nutzte ich die Zeit für etwas „Sinnvolles“ oder tatsächlich auch mal für etwas „Sinnloses“, nach dem ich offenbar unterbewusst durchaus dürstete. Fernsehen ist zwar nicht meine Lösung, aber ich liege eben gern in der Hängematte und tue tatsächlich gar nichts. Oder ich gehe spazieren. Oder ich lese. Aber ich versuche in jedem Fall, meine Vorstellungen nicht mehr auf meine Lieben zu projizieren und ihnen vorzuschreiben, was richtig oder falsch ist. Jeder hat seine eigene Wahrheit, seine eigenen Bedürfnisse.

Ein anderer weiser Rat, der so banal klingt, aber vermutlich nicht oft genug wiederholt werden kann, weshalb auch Peter mehrfach darauf einging: Seid dankbar! An einem Tag lautete daher die Aufgabe, 50 Dinge aufzuschreiben, für welche man dankbar ist. Ich erzählte einem Freund davon, als wir uns nach der Arbeit am Bahnhof auf einen Kaffee trafen und wir staunten, wie schnell wir allein aus dieser Situation heraus auf zahlreiche Dinge kamen: „Damit wir jetzt und hier zusammensitzen können, müssen bereits so viele Voraussetzungen erfüllt sein… Es ist gar nicht selbstverständlich, dass wir zusammen Kaffee trinken können!“ Wir waren dankbar dafür, dass wir uns Zeit nehmen konnten, um uns zu treffen, und genug Geld für einen Cafebesuch hatten, dass wir gesund waren, in Frieden leben können, ohne uns größere Sorgen machen zu müssen, und natürlich auch dafür, dass wir uns vor 16 Jahren an der Uni kennengelernt hatten. Dann freuten wir uns über den Sonnenschein, der an jenem Tag rar war, über die niedliche Bedienung, die sich um uns kümmerte, über meine hübsch dekorierten und ziemlich leckeren Patatas fritas und über unsere irgendwie mit jedem Jahr schöner werdende Freundschaft. So kamen in wenigen Minuten große und kleine Freuden zusammen, scheinbare Selbstverständlichkeiten. Aber tatsächlich sind all diese Dinge eben nicht selbstverständlich, sondern ein großartiges Geschenk.

In den letzten 16 Tagen gab es also viele Denkanstöße und dadurch auch interessante Gesprächsgelegenheiten mit den Menschen um mich herum. Daher bin ich auf jeden Fall etwas wehmütig, dass die Challenge nun vorbei ist und nicht mehr täglich ein Video in meinem Mailaccount auf mich wartet. Aber das ist ja kein Grund zu Jammern, es geht immer weiter und die Welt hat noch viele Gurus für mich parat, denen ich neugierig lauschen kann.

Zum Schluss habe ich eines von Peters YouTube-Videos für euch ausgesucht, damit ihr euch selbst ein Bild von meinem „Guru des Monats“ machen könnt. Peter Beer ist definitiv ein ganz spezieller Typ, der vermutlich auch in euch etwas hervorrufen wird. (Und falls es – wie bei mir – zunächst Irritation sein sollte, dann nutzt es als erste Übung und fragt euch, was euch euer Gefühl damit sagen möchte…) Dieses noch recht neue Video, mit dem er auch für’s Jammerfasten geworben hat, fand ich in vielen Punkten sehr treffend und vielleicht interessieren euch seine Top-5-Erkenntnisse ja ebenfalls…?

Mein Fazit zum Jammerfasten 2019: Meeeega. Danke, Peter!

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