Ab in die Sonne oder doch lieber nicht?! Oder: Vom Glück der Wahl!

Es gibt viele gute Gründe, um von meinem Mann zu schwärmen. Nicht nur all die großartigen Eigenschaften, die in meinem Liebesbrief zum Hochzeitstag Erwähnung fanden. Auch unser aktuelles Wochenprogramm ist Ausdruck seiner Großartigkeit. Deshalb will ich es mir nicht nehmen lassen, ihn hier kurz zu feiern.

Mein Liebster und die Kids machen Urlaub im sonnigen Süden – und ich im herbstlichen Deutschland. Eine Familie in den Herbstferien mit unterschiedlichen Reisedestinationen ist vermutlich nicht gerade „das Übliche“. Und ich bin froh, in diesem Punkt nicht „normal“ sein zu müssen, sondern jemanden an meiner Seite zu haben, der damit umgehen kann, dass nicht jeder dieselben Wünsche hat und ich in mancherlei Hinsicht eben nicht die klassische Mutti bin, sondern ein paar Tage Ungebundenheit und völlige Flexibilität als absolutes Highlight betrachte.

Schon als unsere Große noch unsere Kleine war, fuhr mein Liebster mit ihr eine Woche im Jahr weg – ohne mich. Sie besuchten drei Jahre lang jeden Sommer meine Schwiegereltern in ihrem Sommerhäuschen am Balaton und ließen sich von Oma und Opa betutteln. „Yasmin, willst du wirklich nicht mitkommen“, fragte meine liebe Schwiegermama mich alljährlich. Und jedes Mal strahlte ich sie an: „Nö, eigentlich nicht. Daheim bleiben IST Urlaub!“ Dann kam unser Junior auf die Welt und wir fuhren erstmals wieder alle zusammen nach Ungarn. Als unser Babyjunge dann schon fast ein 4jähriger war, bekam ich meine geschenkten Tage wieder: Letzten Sommer waren meine beiden Jungs in Bulgarien, als die Große im Zeltlager weilte. Yasmin allein daheim! Diesen Sommer war er dann nach unserem gemeinsamen Hollandurlaub für ein paar Tage zum Aufwärmen mit beiden Kids in der Ferne. Und da er alles gut im Griff hatte und seinen Ausflug als gelungen einstufte, konnte er unglaublich lässig mit meiner Abwehrreaktion umgehen, nachdem er verkündet hatte: „In den Herbstferien möchte ich nochmal in die Sonne, bevor der Winter kommt!“ Denn während man nun erwarten würde, dass die Gattin freudig zum Ausdruck bringt, dass so ein abschließender Familienurlaub im Warmen eine wunderbare Sache wäre, musste sich der arme Kerl anhören, dass seine Frau es mäßig bis gar nicht erholsam findet, eine Woche lang Tag und Nacht von ihren beiden Kindern umgeben zu sein. „Dann bleib daheim“, sagte er – und das ganz lieb und verständnisvoll. Er kennt seine freiheitsliebende Wassermannfrau, die es auf ihr Einzelkinddasein zurückführt, dass sie ausreichend Zeit für sich allein braucht und familiäres Aufeinandersitzen als stressig empfindet. (Und nein, es liegt wirklich nicht an meiner Familie, die ist überaus liebenswert. Ich bin diejenige, die an dieser Stelle etwas speziell ist.)

Heute habe ich meine Familie am Frankfurter Flughafen verabschiedet. Und bin dann allein zurück ins regnerische Mainz gefahren. Das Mutti-Dasein bleibt aber natürlich in einem, denn was tat ich? Kinderklamotten und Deko-Spinnen für Halloween kaufen. Die Lieben sind halt doch immer präsent, selbst wenn sie gerade weg sind. Mutti kümmert sich.

Damit das Nachmittagsprogramm noch etwas für mich bereit hält („Gönn dir was!“), futterte ich entspannt ein paar Asianudeln. Im Anschluss suchte – und fand! – ich neue Stiefel für meinen Herbst, die Wahl der neuen Hausschuhe für die Kita vertagte ich dagegen auf nächste Woche.

Heute Abend stand dann eine langjährige Freundin im Programm. Gemeinsames Abendessen in der Stadt (übrigens gesund und lecker im afghanischen Restaurant „Waffel“) und danach ein Lokal weiter eine heiße Schokolade zum Nachtisch.

Morgen beginnt dann auch meine Reise. Ich reise in die Zukunft. Mit der Bahn. Lustig, oder? Irgendwie unvorstellbar. Und ja, ich gebe zu, natürlich auch nur im übertragenen Sinne. Mehr darüber erzähle ich euch dann… bald!

Ach übrigens, damit ihr mich nicht für den absoluten Einzelgänger haltet, der nie mit seiner Familie in Urlaub fahren möchte, gibt es hier den Beweis, dass es gar nicht so schlimm ist: Nachdem wir im Herbst 2018 zu viert in Korea waren, wird es uns 2020 wieder gemeinsam in die Ferne verschlagen. Diesmal in die andere Richtung. Gestern haben wir unsere Flüge nach Costa Rica gebucht! Und ja, ich freu mich schon drauf!

Ein Gedanke zu “Ab in die Sonne oder doch lieber nicht?! Oder: Vom Glück der Wahl!

  1. Tamara schreibt:

    Endlich sagt es mal jemand, man muss nicht gar alles als Familie machen 😉 ich liebe meinen Schatz und die beiden Kleinen über alles, aber manchmal brauche ich einfach meine Ruhe (er übrigens auch, wir sind da ganz gerecht verteilt).

    Was vielleicht auch unter diese „Wahlfreiheit“ fallen könnte ist die Auszeit von den Kindern als Paar, das man schließlich nach Jahren als Eltern immer noch ist. Manche Freundinnen verstehen mich da nicht wirklich, aber so sehr ich die beiden Kids vergöttere, einmal im Jahr kommen sie zu Oma und ich und mein Mann gönnen uns einen Wellness- und Wanderurlaub in Südtirol, nur wir zwei romantisch im adults only Hotel wie in alten Zeiten. Danach sind dann alle (auch die Kinder) ruhiger und ausgeglichener und es gibt weniger Stress und Reibereien im Alltag. Sehr zu empfehlen (sobald die Kinder alt genug sind) 😀

    LG Tammy

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