Herbstwaldnachmittag im Wiesbadener Norden

Jaja, schlechtes Wetter gibt es nicht. Nur die falsche Kleidung. Sagt man doch.

Auch ich bin ein Schönwetter-Liebhaber. Definitiv! Aber es bringt ja nichts, sich die Laune verderben zu lassen und sich im Haus einzuschließen. Also trotzten wir dem sonntaglichen Novembergrau am Allerheiligenwochenende mit guter Laune und bester Gesellschaft: zwei Ladies, zwei Kerle, zwei große Mädels, zwei Kiddies. Und der gute Plan, mal die hessischen Nachbarn und ihren Wald zu besuchen.

Unsere Freunde kannten die Gegend und spielten für uns die Touristen-Führer. Wir parken die Autos am Nordfriedhof und stapften eine Weile durch den Matsch bis wir zum nächsten Weg kamen, der sich schuhfreundlicher zeigte. Die Kinder waren bester Stimmung. Und auch der Regen zeigte sich gnädig: Die Schirme konnten in den Rucksäcken bleiben.

Unser Rundgang führte uns zum „Hexenhäuschen“ (dem geheimen Vereinsheim des SV Wehen Wiesbaden) und an einen sehr schönen, weitläufigen Spielplatz mit kleinem Bachlauf, Schaukel, Klettergelegenheiten, hölzernen Wildschweinen und einer Seilbahn.

Die Kinder hatten jedenfalls ihren Spaß und wenn wir Erwachsenen nicht irgendwann doch etwas unterkühlt gewesen wären, hätten wir noch sehr viel länger dort verweilen können. Auch mit Proviant waren wir klugerweise bestens ausgerüstet, so dass keine akuten Hungergefühle aufkommen konnten. Darauf solltet ihr wohl ebenfalls achten, wenn es euch eines Tages dorthin verschlägt: Keine Eisdiele, kein Dönerladen und auch sonst nichts in greifbarer Nähe. Im Frühling vielleicht ein paar Walderdbeeren – für Wandersleute mit geschulten Augen.

Wiederkommen müssen wir übrigens auch deshalb, weil ein Programmpunkt der Tour leider entfiel, nämlich der Besuch der Leichtweißhöhle. Wir hatten uns zwar an die Sonntagsöffnungszeiten (13 bis 18 Uhr) gehalten, aber nicht beachtet, dass die Winterpause am 1.11. beginnt. Wann genau die Pause endet, verrät die Stadt Wiesbaden online nicht (siehe hier die verfügbaren Infos), aber ich denke, spätestens im Mai sollten wir wieder eine Chance haben.

Unser Rückweg führte uns über den Wiesbadener Nordfriedhof. Ich bin ja ein großer Liebhaber schöner Friedhöfe, daher war ich sehr gespannt auf diesen ehrwürdigen Ort mit seinen vielen alten Gräbern. Besonders gern mag ich übrigens Statuen und natürlich das Lesen von Grabinschriften. Den schönsten Engel auf dem Friedhof habe ich für euch festgehalten. Falls ihr euch also eines Tages ebenfalls auf jenem Friedhof einfindet, könnt ihr nun eine Schnitzeljagd machen und versuchen, diesen Engel zu finden. Das dürfte eine Weile dauern, denn das Gelände ist ziemlich weitläufig.

Unser Ausflug war ein sehr schöner Start in den November, diesen Monat, mit dem viele Menschen nur sehr wenig anfangen können. Der goldene Oktober ist vorüber und der stimmungsvolle Dezember mit der trubeligen Adventszeit und ihren vielen Lichtern steht noch bevor. Der November liegt irgendwie grau und trostlos dazwischen. Lange ließ auch ich mich von Wehmut über den vergangenen Sommer packen. Das habe ich mittlerweile ganz gut in den Griff bekommen. Gerade das Nebelige und die Atmosphäre der Vergänglichkeit erscheint mir nun geradezu charmant. Der November hat eben eine ganz eigene, unvergleichliche Stimmung. Ich feiere ihn mit heißem Tee auf dem Sofa, eingekuschelt unter eine weiche Decke – und schlafe jeden Abend viel zu früh ein (deshalb komme ich auch einfach nicht zum Schreiben…). Aber so ist das eben: Die Natur fährt runter, die Bäume lassen ihre Blätter fallen, eine Zeit des Loslassens und der Ruhe,… auch für diese Teile des Lebens muss es eine Zeit geben. Und man kann sie tatsächlich genießen, wenn man sich darauf einlässt. Es gelingt mir jedes Jahr besser.

Bleibt gesund und munter!