Mädelsnachmittags im Mal-Werk Mainz

Den Samstagnachmittag verbrachten meine Große und ich im Mainzer „Mal-Werk“ bei entspanntem Pinselschwingen – bis aus weißen Keramikrohlingen farbige Individualisten wurden. Das ist bestimmt eine der gemütlichsten Möglichkeiten, den November zu begehen: Im Warmen, ganz entspannt, außerdem in guter Gesellschaft, denn jede von uns hatte noch eine Freundin dabei. Und am Ende hat man sich selbst mit einem kleinen, ganz persönlichen Kunstwerk belohnt. Farbenfrohsinn im Novembergrau.

Das Schöne mit dem Nützlichen verbinden: Mal-Werk schenken!

Der Anlass für unseren Ausflug war eigentlich der Geburtstag einer sehr guten Freundin unserer Großen. Als wir nach Ebersheim gezogen sind, war sie diejenige, mit der sehr schnell eine schöne Freundschaft wuchs, die es auch überstand, dass jene Freundin ein Jahr älter ist als unser Mädchen – und entsprechend ein Jahr früher in die Schule kam und ein Jahr früher aufs Gymnasium. Viele Freundschaften zerbrechen an dieser zeitlichen Versetzung, weil Interessen sich auseinander entwickeln und man sich nicht mehr so oft über den Weg läuft, sondern Treffen viel gezielter geplant werden müssen. Diese Freundschaft hielt trotz dieser Herausforderung. Gott sei Dank! Und bei der Wahl des Geburtstagsgeschenkes für jenes besondere Mädel kam ein pragmatisches, aber reichlich unpersönliches Geschenk wie der oft gewünschte Amazon-Gutschein definitiv nicht in Frage. Irgendwelche Spielsachen werden zum zwölften Geburtstag aber auch nicht mehr benötigt. Das fünfte Buch ist ebenfalls nicht so prickelnd. Gar nicht so einfach. Wir sind Fans von „Zeit statt Zeug“, wie ich bereits vor langer, langer Zeit einmal berichtet habe (klickt hier). Für diese Freundin gab es nun aber „gemeinsame Zeit UND Zeug“: Eben einen Ausflug ins Mal-Werk, wie wir ihn schon vor etwa drei Jahren einmal gemeinsam gemacht hatten. Jede sollte sich etwas Hübsches für sich selbst aussuchen – oder ein Weihnachtsgeschenk für eine liebe Person angehen. Ganz wie es beliebt.

Und weil nicht nur meine Große tolle Freundinnen hat, sondern auch in meinem Leben kreative Köpfe rumschwirren, mit denen ich gerne einen Extranachmittag verbringe, fragte ich eine meiner Lieblingsebersheimerinnen, ob sie sich uns nicht anschließen wollte. Sie wollte. Und beeindruckte mich einmal wieder mit ihren künstlerischen Fähigkeiten. Ich bin nämlich wahrhaftig kein großer Maler. (Aber seht euch mal das hübsch gestaltete E auf ihrer Tasse im Bild unten an! Das war IHR Werk, definitiv nicht meines.)

Unendliche Gestaltungsmöglichkeiten

Eingang Mal-Werk Mainz

Im Malwerk hat man die Qual der Wahl: Schüsseln, Teller, Tassen, Spardosen, Figuren, Eierbecher oder passend zur Jahreszeit auch Weihnachtsdeko. Jede von uns benötigte erst einmal 15 Minuten, um sich für ihr Projekt des Tages zu entscheiden.

Die Mädels und ich entschieden uns jeweils für unterschiedliche Schüsseln, meine Freundin gestaltete sich eine neue Tasse für die Arbeit und wollte ihre Jüngste mit einem hübschen Tellerchen für ihre Haargummis und Spängchen beglücken. Um 13.15 Uhr machte ich den ersten Pinselstrich (in meinem Fall: erst einmal viel, viel Sonnengelb als Grundlage) – und um 15.45 Uhr wusch die Große als letzte in unserem Vierergespann ihre Malsachen aus.

Bei ihr hatte diese süße Eule noch etwas Zeit benötigt, ihr kleines Sonderprojekt des Tages. Bei dem Tierchen handelt es sich nämlich um einen Salzsteuer. Und da unserer neulich zu Boden ging und zerbrach, war es quasi unausweichlich, dass sie die Gelegenheit nutzen musste, um uns unseren ganz persönlichen Ersatzsalzstreuer zu kreieren.

Salzstreuer Eule Malwerk

Die Farben sehen auf den Bildern nun ziemlich blass aus. ich kann euch aber sagen: Die Eule hier wird keine zarten Pastelltöne mehr aufweisen, wenn sie aus dem Ofen kommt, sondern dann ein knalliges, dunkles, lila Federkleid präsentieren. Hier täuschen die Farben beim ersten Anstrich. Und beim zweiten Anstrich. Etwas zeitintensiv ist das Malprojekt nämlich auch schlicht aus dem Grund, dass man alles doppelt malen muss, damit es am Ende wirklich gut wird. Das ist auch der Grund, weshalb unser 5jähriger an diesem Nachmittag mit Papa im Schwimmbad war statt uns zu begleiten. Die Geduld hätte vermutlich einfach noch nicht gereicht. Im nächsten Herbst, wenn wir irgendwann wieder kommen… dann darf er gewiss mit. Vielleicht bekommt ja auch eine seiner Freundinnen mal einen Malwerk-Gutschein zum Geburtstag, woraus dann ein gemeinsamer Ausflug wird…?!

Malwerk Auswahl

Nun fragt ihr euch vielleicht, was ich eigentlich gemacht habe. Eine Schüssel, ja, aber wie sieht die aus? Ist sie so wenig vorzeigenswert, dass ich euch hier ein Foto vorenthalte? Nein, nein, sie ist zwar nur Kunst auf Yasmin-Niveau, doch für meine Verhältnisse eigentlich ganz hübsch geworden. Allerdings wird sie ein Geschenk. Und daher gibt es das Foto erst, wenn das Geschenk übergeben ist. Nicht, dass hier vorab schon alles verraten wird.

Aber unten auf dem nachfolgenden Foto sehr ihr ein paar unserer Projektarbeiten, die bereits seit geraumer Zeit im heimischen Einsatz sind und von mir zur Feier des Tages zum Nachmittagstee aus dem Schrank geholt wurden. Bei uns wohnen mittlerweile drei selbstgestaltete Tassen, die Müslischüssel, die Muffindose, eine Meerjungsfrauenfigur,…
Wer weiß, vielleicht ist irgendwann jemand von uns tatsächlich so motiviert, einmal ein „großes Projekt“ zu planen wie die junge Frau, die an diesem Nachmittag zum fünften Mal an ihrer extrem wundervollen Schüssel arbeitete, in das sie ein faszinierendes Muster gemalt hatte. Auch das ist nämlich möglich: Ein Kunstwerk anfangen und nach und nach weiterarbeiten. Allerdings solltet ihr ganz dringend beachten, dass die Plätze an den Tischen im Malwerk gerade in der Vorweihnachtszeit häufig bereits ausgebucht sind. Ich hatte drei Wochen im Voraus reserviert. Für einzelne Menschen gibt es vermutlich immer einen Platz, aber ab zwei Personen ist eine Reservierung ziemlich sicher unabdingbar.

Nun müssen wir etwa eine Woche warten, bis ich unsere Werke abholen kann. Dann werde ich natürlich ein Bild einstellen.

Falls ihr Lust bekommen habt, euch auch einmal kreativ auszutoben: Das Mal-Werk veranstaltet auch Kindergeburtstage vor Ort und gewährt zudem die (wie ich finde) großartige Möglichkeit, Sachen daheim zu gestalten, quasi auf einer Privatparty. Das ist bestimmt gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit eine prima Sache und ich bin schwer am Überlegen, ob ich nicht einmal rumhorchen sollte, wer Lust auf einen Kunstabend bei Wein und Kerzenschein hat…

Apropos Abend…: Weiter geht’s im Kulturprogramm

Und weil es irgendwie thematisch passt, obwohl es doch ganz anders war, hier noch drei Sätze zum restlichen Samstag: Mein Liebster und ich gönnten uns nämlich am Abend noch Kulturgenuss: In Ebersheim trat die Improtheatergruppe „Restrisiko“ auf den Chor „Choriander“ und erfreute das Publikum im Weingut Becker mit abwechslungsreicher Unterhaltung. Dazu gab es natürlich das ein oder andere Weinchen und mein Liebster spendierte den drei Frauen an seiner Seite eine ordentliche Portion Spundekäs mit Brezelchen. Wundervolles Verwöhnprogramm!

Improtheater Restrisiko in Ebersheim

Das Allerbeste war allerdings, dass wir an diesem Abend erstmals keinen Babysitter organisieren mussten, weil die Große und ihre Freundin auf unseren Junior aufpassten, mit ihm spielten und ihn ins Bett brachten, bevor sie sich selbst ihrem Videoabend widmeten. Hat prima geklappt. Aus Elternsicht der Beginn einer neuen Ära!

Für euch zum Schluss mein Lieblingslied des Abend – allerdings in der Version von Justin Timberlake und Anna Kendrick. „True Colors“ wurde von Choriander ganz hinreißend gesungen und erstmals schaffte dieses Lied es, mich innerlich zu bewegen. Und dann fiel mir auf: Dieses etwas traurige und zugleich so schöne Lied passt mit dem Thema „Farben“ ja irgendwie auch zum heutigen Nachmittagsausflug… 😉