Willkommen 2020!

Sonnenvergoldete Weinberge am Neujahrstag

Wie war ich heute morgen begeistert, als ich die Augen öffnete und durch das Fenster den blauen Himmel sah, an dem die Sonne sich langsam durch den Nebel kämpfte. Ich rollte mich leise aus dem Bett, warf mir meine Klamotten über, leerte rasch ein Glas Maracujasaftschorle und schlich mich durch die Terrassentür nach draußen. Geschafft! Die Familie und unser Besuchskind lagen noch in den Betten – und ich hatte diesen wundervollen Morgen ganz für mich!

Die Ebersheimer Weinberge liegen nur zwei Straßen von unserem Haus entfernt. In weniger als fünf Minuten bin ich am Feldrand. Musik an, los geht’s – genießen…

Was soll ich sagen…?! Es ist ja letztlich unbeschreiblich – und wenn ich nun ins Schwärmen gerate, fragt sich derjenige, in dem keine Spaziergängerseele wohnt, welche Drogen noch bei mir nachgewirkt haben… Nein, keine Drogen. Tatsächlich habe ich in der Silvesternacht nicht einmal mehr als ein Glas Sekt getrunken. Es war also ganz sicherlich eher die Neujahrseuphorie und eben die unfassbare Schönheit dieses Januarmorgens, die mich so begeisterten. Der glitzernde Boden, die vereisten Pflanzen, das magische Licht,… die Ruhe, das Nichts-müssen, der Zauber des Neubeginns und des Vertrauten,…

Dieser Morgen war wie ein gutes Omen für das junge Jahr. „Bleib so!“, flüsterte ich ihm zu.

Von Glückskeksen und Glücksmomenten

Mit solch einem Start ins Jahr kann man nicht rechnen. Das war wirklich ein Geschenk des Himmels. Ein anderes Geschenk wird uns hingegen fast jedes Jahr am ersten Januar zuteil: Mein Schwiegervater lädt die Familie zum Schlemmen ein. Er kocht nicht selbst. Wir schlemmen asiatisch, im Restaurant. All you can eat. Böse gesagt werden wir also direkt zu Jahresbeginn dazu ermuntert, sämtliche Vorsätze zum beliebten Ideal „rank & schlank“ direkt über Bord zu werfen. Diese schöne Tradition („Same procedure as every year…“) ist aber nicht nur sehr schön gesellig und überaus nahrhaft, sondern gewährt auch einen Ausblick auf das neue Jahr. Jeder zieht seinen Glückskeks. Ein spannender Moment.

Bin ich abergläubisch? Nun… nicht wirklich. Aber ich mag meine Glückskeksbotschaften tatsächlich sehr. Vielleicht ziehe ich auch immer gut. Jedenfalls habe ich die Botschaften der letzten beiden Jahre noch bei mir. Sie stecken in meiner Handyhülle. 2018 riet mir der Glückskeks, die Feste so zu feiern, wie sie fallen. Und 2019 war ich gemäß Glückskeks besonders offen für Neues. Unsere Große las mir nun die Nachricht für 2020 mit der Vorbemerkung vor, dass das doch wieder ganz toll zu mir passen würde:

„Don’t doubt yourself or your skills! Doubts are completely unfounded“

Die ewige Zweiflerin soll sich 2020 also etwas locker machen. Eigentlich wollte ich ja etwas fleißiger werden… aber gut, vermutlich gilt auch hier: Die Mischung macht’s! Ich werde versuchen, etwas produktiver zu sein und mir zugleich weniger selbst im Weg zu stehen. Fertig mit Hadern, ran ans Werk.

Mit Zettelchen ging es heute Abend dann auch weiter. Lustig irgendwie: Nach meinem Morgenspaziergang folgte noch ein Nachmittagsspaziergang (vom Mühldreieck nach Hause) und nach meinem Glückskekszettel folgte noch eine Glücksmomente-Notiz. Von manchen Dingen kann ich wohl nicht genug bekommen. Laufen und geschriebene Worte. Zwei zentrale Dinge, die mich ganz sicher auch in 2020 erfreuen werden. Nun, jetzt aber zu den Glücksmomenten:

Heute beschloss ich ziemlich spontan, ein altes Spaghetti-Glas aus dem Keller zu holen und es mit unseren neuen Kreidestiften seiner neuen Bestimmung zuzuführen. Ich bastelte mir ein Sammelglas für Glücksmomente. Und natürlich wanderte direkt mein erstes Zettelchen hinein.

Zu einem späteren Zeitpunkt kann ich dann zurückblicken auf all die schönen Erlebnisse, die wir viel zu oft viel zu schnell vergessen – das ist zumindest der Plan. Unser Gehirn ist schon ziemlich frech: Jeden Fehler und jede Peinlichkeit merkt es sich bestens, aber so viele schöne Erfahrungen und Gedanken vergilben ganz rasch im mentalen Fotoalbum. Ich bin in diesem Zusammenhang ziemlich glücklich, dass mein Blog vieles für mich speichert. Im Dezember fand ich es beispielsweise total charmant, dass ich am 3. Advent nachlesen konnte, was ich am 3. Advent vor genau einem Jahr getan hatte (nämlich das hier). Manchmal erinnert einen ja gruseligerweise auch Google an vergangene Erlebnisse: „Schau dir die Fotos vom letzten Jahr an.“ Kurz vor Silvester 2018/19 waren wir offenbar auf der Eisbahn. Mein Handy hatte die Fotos, die dort entstanden waren, in der Google-Cloud gespeichert. Auf mainzelmama.com gibt’s den Eisbahnausflug auch als Text. Und ich finde es total super, in den alten Gedanken stöbern zu können. Ich tue es nur zu wenig. Verblüffenderweise ist dieser Beitrag, den ihr nun gerade vor euch habt, bereits der 94. Reichlich Lesestoff also. Und so viel Nicht-Geschriebenes, weil ich viel mehr erlebe und denke als ich Zeit zum Schreiben habe. Also befand ich, solch eine etwas weniger aufwändige Glücksmomente-Sammlung wäre eine gute Sache, um am 31.12.2020 die Frage eines lieben Freundes beantworten zu können, die er mir gestern stellte: „Na, was war dein Highlight des Jahres?“ Gar nicht so einfach. Wisst ihr, was EUER Highlight war? Oder… welche Momente es in die Top 10 geschafft haben?

Vorsätze für 2020…

…gäbe es eine Menge. Natürlich. Auch ich fände es prima, wenn ich mich von fünf Kilos verabschieden könnte, die mich latent schwanger aussehen lassen und beim Klamotten shoppen tierisch nerven. Auch könnte ich mir Gedanken über meine berufliche Zukunft machen, denn mein Arbeitsvertrag ist an ein Projekt gebunden, das Ende 2020 ausläuft. Ich könnte endlich ein Buch schreiben. Oder zumindest das Haus ausmisten… und endlich Bilder an die nackten Wohnzimmerwände hängen. Ich könnte lernen, mit meiner Nähmaschine umzugehen. Und noch ganz, ganz viele andere schlaue, praktische Sachen lernen. Zudem gibt es einige Orte und Menschen, die ich 2020 wirklich gerne sehen möchte. Ich bin mir jetzt schon ziemlich sicher, dass das noch so junge Jahr ganz schön viel zu bieten hat und mein Glücksmomenteglas mehrfach geleert werden muss, weil keine Zettelchen mehr hinein passen. Eine Liste guter Vorsätze gibt es aber nicht. Nein. Ich habe mich nicht an die Projektmanagement-Tools rangewagt und auch sonst nichts schwarz auf weiß festgehalten. Wenn ich nun so drüber nachdenke, dann möchte ich vor allem mein „Gottvertrauen“ stärken, also die Überzeugung, dass alles seinen Sinn hat und es sich überhaupt nicht lohnt, so viele (innere) Kämpfe zu kämpfen und zu jammern (ja… derzeit jammere ich wieder zu viel, dabei war das „Jammerfasten“ eine ziemlich inspirierende Challange in 2019).

Vorsatz 2020: Das Leben fließen lassen, den Weg genießen, meinen Weggefährten mit offenem, liebendem Herzen begegnen und darauf vertrauen, dass ich immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin.

„What you think, you become.
What you feel, you attract.
What you imagine, you create.“
(Buddha)

Ich wünsche euch für 2020 alles Liebe!