Ich spiel dir ein Lied: Robbie Williams – Love my life

Musikalische Liebeserklärungen

Ich bin wohl ein ziemlich textlastiger Charakter. Auch beim Musikhören. Die Melodie und der Rhythmus ziehen zwar zunächst meine Aufmerksamkeit auf ein Lied, aber dann beginne ich auch direkt, den Worten zu lauschen, die gesungen werden. Welche Botschaft hat der Song? Wenn ein Lied mich inhaltlich abholt, mich nicht nur die Klänge, sondern auch die Gedanken hinter dem Lied bewegen, dann hat es Chancen darauf, einen Platz in meinem Herzen zu ergattern und mich regelmäßig auf meinen Spaziergängen zu begleiten. Und so manches Lied versende ich an liebe Menschen, wenn es genau die Botschaft hat, die ich gerne an sie richten möchte. Ich bin kein Sänger, kein Musiker, kein Künstler – und deshalb sehr froh, wenn ein anderer zufällig auf schöne Weise genau das zum Ausdruck bringt, was ich gerne sagen möchte.

Ich liebe es ganz besonders, wenn ich einen Song finde, den ich meinen Kindern schenken kann. Die Große ist nun langsam alt genug, um die Liebe zu verstehen, die solch ein Lied transportiert. Es sind ganz kostbare Musikstücke! Und an eines von ihnen erinnerte ich mich gestern wieder, als ich im Bus saß und Robbie Williams Biographie „Reveal“ las, in welcher die Entstehungsgeschichte eines dieser Songs erzählt wurde: Love my life.

Meine persönliche „Gedichtinterpretation“

Ich habe schon lange einen sehr positiven Bezug zu diesem Song (…okay, „sehr lang“ ist relativ, „Love my life“ erschien ja erst 2016). Jedenfalls bekam ich sofort Lust, diesem Song einen Blogbeitrag zu widmen. (Und vielleicht folgen noch weitere zu anderen schönen Liedern, mal sehen…)

„Reveal“ ist die zweite Robbie-Biografie des Musikjournalisten Chris Heath, der Robbie über viele Tage, Wochen und Monate in seinem Alltag begleitet hat. Sie erschien 2017. Während der erste Band „Feel“ (von 2006) mir noch zu szenenhaft und irgendwie unübersichtlich aus dem Leben eines sehr vielschichtigen Popstars berichtete, gefällt mir „Reveal“ deutlich besser. (Ich kann noch nicht sagen, woran das genau liegt… irgendwie erscheint es mir langsamer und sortierter). Einerseits wird dem Leser eine von Robbies Krisenzeiten im Jahr 2006 ausführlich dargestellt und auch auf andere wichtige Momente in den darauffolgenden Jahren eingegangen, andererseits zeigt das Buch den „neuen Robbie“ im Jahr 2016: Robbie Williams als Familienvater, der eine ziemlich angenehme Ehe zu führen scheint und seine Kinder abgöttisch liebt. „Love my life“ entstand, als seine beiden älteren Kinder Teddy (Theodora) und Charlie (Charles) 4 und 2 Jahre alt waren. Unterlegt von einer schwungvoll-sanften Pop-Melodie bringt er seinen tiefen Wunsch zum Ausdruck: Hoffentlich gelingt es mir, meinen Kindern all das mitzugeben, was sie benötigen, um glückliche Erwachsene zu werden: „I pray that I’m giving you all that matters so one day you’ll say to me: I love my life! I am powerful, I am beautiful, I am free. I love my life! I am wonderful, I am magical, I am me.“

Als Eltern tragen wir eine große Verantwortung für unsere Kinder. Robbie ist ein Mensch voller Selbstzweifel, der schon mehrfach in seinem Leben in Depressionen und Sucht verfangen war. In seinen Biografien wird dieser Teil seiner Persönlichkeit vielfach deutlich, ebenso wie in zahlreichen Liedern. Auch in „Love my life“ singt er an einer Stelle, er habe in seinem Leben einige Fehler begangen (wer hat das nicht?) und schließlich „I started to question the angels – and the answer they gave was you„. Ich mag diese Textstelle ganz besonders, denn sie drückt aus, was auch ich immer wieder sehr intensiv empfinde: Unsere Kinder sind Geschenke des Himmels, die uns über uns selbst hinauswachsen lassen und uns so viel über das Leben lehren.

Kinder lassen uns nicht nur unser eigenes Leben auf eine neue Art spüren, sondern auch an ihrem teilhaben. Wir freuen uns mit ihnen, leiden mit ihnen – und können doch nichts weiter tun, als ihnen gute Begleiter sein. Egal wie wir uns auch wünschen, ihnen ihre Sorgen abzunehmen und Leid zu ersparen – es geht nicht. Wir können sie nur in ihren Gefühlen ernst nehmen und sie dabei unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden, mit dem sie in dieser manchmal so verrückten Welt glücklich werden: „I cannot promise there won’t be sadness, I wish I could take it from you. And you’ll find the courage to face the madness…“ (so die Liedzeile bevor wieder auf den Refrain hingeleitet wird).

Letztlich ist da der große Wunsch, dass unsere Kinder auf Menschen treffen werden, deren Herzen im selben Takt wie ihre schlagen. Und dann mögen sie ohne Grenzen ihren Weg gehen, mutig und frei sein können – stets in dem Wissen, dass sie einen Hafen haben, den sie jederzeit ansteuern können, wenn es doch einmal stürmisch im Leben wird: ihre Eltern. Oder in Robbies Worten: „Find the others with hearts like yours. Run far, run free – I’m with you„.

Die Hintergrundgeschichte von „Love my life“

Das war nun sozusagen meine persönliche, kleine „Gedichtinterpretation“. In „Reveal“ wird netterweise erzählt, wie der Song entstanden ist und was Robbie selbst mit ihm verbindet: Ursprünglich fiel ihm ganz spontan zu einem Klavierspiel deines Songschreiber-Kumpels Johnny McDaid der Refrain ein: „I Love my life, I am powerful, I am beautiful, I am free.“ In diesem Moment hatte Robbie die Worte wohl sogar kurz so empfunden, aber dennoch entsprach es so gar nicht seinem allgemeinen Selbstbild – und klang in seinen Ohren ganz schrecklich egoistisch. Das würde er so definitiv nie in der Öffentlichkeit singen!

Erst als ihm Monate später die Eingebung kam, dass er dieses kraftvolle, positive Lied seinen Kindern widmen könnte, war er sich sicher, ein großartiges Stück geschrieben zu haben. Ich finde, da hat er recht!

Beau ist da! Robbie ist nochmal Papa geworden

Was ein lustiger Zufall: Während ich diesen Blogbeitrag gestern (passend zum Valentinstag) begonnen habe, meldet die Presse: Beau ist da, das vierte Kind der Familie Williams! Nun haben Theodora, Charles und Colette also noch ein Brüderchen. Das Familienleben scheint Robbie wirklich gut zu gefallen…