Spazierengehen in Zeiten von Corona… am liebsten in Finthen

Ich habe ein Frühlingsritual: Immer wenn die Obstbäume im Finther Feld blühen, laufe ich dort den Rundweg vom Finther Friedhof zu den Sieben Weihern und zurück. Ich bin den Weg in den letzten Jahren schon mit einigen Leuten gegangen – aber noch nie mit meinem Mann. Corona sei Dank war es nun dieses Jahr soweit. Ein Familienausflug nach Finthen! Auch wenn die Bäume leider noch nicht geblüht haben.

In diesen eingeschränkten Zeiten, in denen die Kinder nicht einmal Freunde treffen sollen und sich das Leben vorwiegend im kleinen Rahmen der Kernfamilie abspielt, müssen alle gut bei Laune gehalten werden. In der Regel dreht sich dabei alles um die Kinder. Als brave Eltern will man es ihnen gerne angenehm machen und ihnen die Zeit versüßen. Aber manchmal muss ich doch eine Ansage machen, insbesondere meinem Junior: „Es geht nicht immer nur um dich! Andere Menschen haben auch Wünsche!“ Dem kindlichen Egozentrismus muss man eben mitunter Einhalt gebieten, um nicht auszurasten. Auch Eltern haben Rechte. Eines meiner wichtigsten Grundrechte ist mein Recht auf Spaziergänge (abgesehen von meinem Recht auf Latte Macchiato, Sofakuscheleinheiten und genügend Schlaf). Wird mir dies verwehrt, werde ich wirklich, wirklich unangenehm. Da ich nun derzeit nicht mit anderen Leuten spazierengehen soll und mich ja auch nicht ständig für meine erforderlichen Gassi-geh-Runden aus dem Familienleben entfernen kann, hieß es dieses Mal: Ihr kommt mit mir raus aus dem Haus! Ha!

Mein Googlemaps-Screenshot ist leider nicht so aussagekräftig, denn der tatsächliche Weg wird erst angezeigt, wenn man mehr hineinzoomt. Aber nehmt einfach euer Handy mit, das wird euch sicher bei der Orientierung helfen. Zunächst einmal muss man auf der Uhlerbornstraße aus dem Ort heraus und dann den rechten Weg wählen, der an der Reithalle vorbei führt, daraufhin eine ganze Weile immer geradeaus.

Eigentlich hätte es eine Allee blühender Bäume sein sollen, durch die wir uns bewegen. Nun ja… darauf mussten wir vorerst verzichten. Das hat Junior betrübt. Er hatte sich auf die von mir angekündigten „schönen Bäume“ gefreut. Ich hätte es eigentlich wissen müssen: Kündige nie etwas an, keine Versprechungen machen oder Lockmittel nutzen. Zukünftig heißt es nur noch: Wir machen einen Ausflug! Bumms. Und dann sollen sie sich überraschen lassen, die verwöhnten Kinderchen 😉

Irgendwann gabelt sich der Weg wieder. Wählt dann den linken Weg, der bald nicht mehr asphaltiert ist (wie die Leute im Foto). So ist der Hinweg zum Picknickplatz an den Sieben Weihern länger als der Rückweg, was meiner Erfahrung nach strategisch ganz gut ist.

Man könnte nun denken, dass es öde ist, die ganze Zeit zwischen Obstbäumen herumzulaufen. Ist es aber bei diesem schönen Weg gar nicht, denn der ist überaus abwechslungsreich. Es gibt auch einen kleinen waldigen Abschnitt, grüne Flächen, sandige Wege mit Pferdehufspuren,…

Und irgendwann, wenn ihr an einem T-Stück noch einmal rechts abgebogen seid (links geht es runter nach Heidesheim), gelangt ihr zu dieser kleinen Hütte, die ihr unten im Bild seht. Wer an ihr vorbei geht, blickt direkt auf die Sieben Weiher (die aber eigentlich gar keine sieben Weiher sind… irgendwer hat sich da wohl verzählt…)

Dort dann: Picknickpause! Juniors Highlight… endlich. Wir machten es uns auf einer freien Bank bequem, mit Blick auf die Teiche, die unter uns lagen. Aber allzu lange konnten Salamibrötchen, Äpfel und Kekse die Kids nicht auf dem Hosenboden halten. Schon bald zogen sie los und erkundeten die Gegend, balancierten um die einzelnen Teiche herum, hielten nach Fischen Ausschau und fanden einen Frosch.

Auch einige andere Menschen verweilten an diesem schönen Ort. Mein Liebster war in hohem Maße überrascht, als eine Gruppe studentisch wirkender junger Leute an uns vorbei zog, die Rucksäcke geschultert, ganz offensichtlich in Wanderlaune: „In dem Alter wäre ich niemals auf die Idee gekommen, mit meinen Kumpels sonntags durch die Gegend zu laufen.“ Auch mit seiner Frau fand er das all die Jahre reichlich abwegig. Wieso sollte man das tun? Einfach nur zu Fuß laufen?! Das machte erst jetzt für ihn Sinn – weil ja alles andere geschlossen ist (inklusive Sport- und Spielplätzen, Schwimmbädern, etc.). Da bleiben am Ende fast nur noch Fahrradtouren und Spaziergänge als bewegende Aktivitäten im Familienprogramm außerhalb des eigenen Gartens. Ich find’s gut… und vielleicht kommen meine Lieben doch noch auf den Geschmack – wer weiß?!

Der Ausflug durchs Finther Feld war jedenfalls ein guter Einstieg: Ein schöner Weg, übersichtliche Gehzeit von weniger als zwei Stunden bzw. unter 7 Kilometern, ein hübscher Picknickplatz… wenn nun noch die Finther Eisdiele aufgehabt hätte und man den tollen Spielplatz an der Kirche nutzen könnte… aber wir wollen ja vorerst genügsam sein. Es war auch so ein richtig toller Familienausflug mit bester Laune und wundervollem Frühlingswetter!

Und ein paar Obstbäume haben doch schon geblüht. Ich liebe Finthen! Zu jeder Jahreszeit.

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