Wenn’s mal nicht so läuft und trotzdem schön ist: Kinderglück auf dem Erlebnispfad Binger Wald

4,5 Kilometer mit hübschen Gimmicks für kleine und große Wandersleute: Das ist der Erlebnispfad Binger Wald. Auf unserem gestrigen Sonntagsspaziergang konnte eigentlich nichts schiefgehen. Eigentlich. Denn manchmal läuft’s auch auf einem tollen Rundweg irgendwie nicht rund. Oder zu rund. Je nachdem, wie man es betrachtet…

Den Erlebnispfad im Binger Wald hatte ich mir schon lange auf meine Erkundungsliste gesetzt, nachdem wir sehr zufällig auf ihn aufmerksam geworden waren. Schon die Vorgeschichte würden abergläubische Menschen allerdings als schlechtes Omen deuten: Wir waren damals auf der Suche nach den Baumgeistern des Binger Walds zufällig hier gestrandet. Während wir beiden Mütter ziemlich schnell erkannten, dass der Erlebnispfad eine gute Alternative zum ursprünglichen Plan ist, hielten die vier Kinder an Plan A fest. Nach dem x-ten „Und wo sind jetzt die Baumgeister?“-Gequengel beschlossen wir, dass wir die Runde nicht komplett gehen. Wir kamen also vom Erlebnispfad-Parkplatz bis zum Forsthaus Heiligkreuz, verweilten dort mit Schnitzel und Pommes – und kehrten dann um. Gelernt hatten wir damals folgendes: Zukünftig bei den Kids keine Erwartungen mehr schüren! Hätten wir vorher nichts von den Baumgeistern verraten, dann hätten sie sich vermutlich besser auf den schönen, vielseitigen Weg einlassen können. Damals nahm ich mir vor, dass wir beides irgendwann noch hinbekommen: Den Besuch bei den Baumgeistern und den Rundgang auf dem Erlebnispfad. Dem Blogbeitrag zu den Baumgeistern in der Steckeschlääfer Klamm könnt ihr entnehmen: Das haben wir geschafft (nämlich als Familienausflug während des Corona-Lockdowns)! Gestern sollte Teil 2 folgen. Als Begleitung hatte ich mir eine liebe Ex-Arbeitskollegin und ihren Sohn ausgesucht. Unsere beiden Jungs sind gleich alt und verstehen sich immer blendend, obwohl sie sich nicht allzu oft sehen. Beste Voraussetzungen. Eigentlich.

Dann drohte unser Ausflug jedoch bereits direkt zu Beginn zu scheitern. Ein kommunikatives Missverständnis hatte dazu geführt, dass wir an unterschiedlichen Parkplätzen aufeinander warteten. Als unsere Freunde 10 Minuten nach der vereinbarten Zeit nicht bei uns auftauchten, versuchte ich, sie anzurufen, war aber erfolglos. Und so kann ich euch heute warnen: Rund um das Forsthaus Heiligkreuz ist ein ordentliches Funkloch. Mein Handy war mehrfach ohne Internetverbindung, so dass mich auch GoogleMaps nicht unterstützte, als wir die anderen Parkplätze in der Nähe suchen wollten. Digital Detox zur Förderung des Orientierungssinns. Freundlicherweise wurden meine Bemühungen von Erfolg gekrönt: Nach einigen Minuten Suche und Umherfahren fanden wir unsere beiden „Zielpersonen“ kurz bevor sie sich wieder auf den Heimweg machen wollten, weil sich der Sohn meiner Arbeitskollegin einen Splitter/Spreisel/Schlipper zugezogen hatte, der nicht raus wollte. Im Forsthaus Heiligkreuz war man aber so gut ausgestattet, dass man uns mit einer Pinzette weiterhelfen konnte. Die kleine „OP“ verlief erfolgreich und endlich, endlich stand unserem Ausflug nichts mehr im Wege. Die Jungs waren quietschvergnügt und voller Freude über das Wiedersehen. Wir Mamas waren ebenfalls erfreut über das Wiedersehen und konnten in aller Ruhe die neuesten Neuigkeiten austauschen – der Waldmurmelbahn sei Dank. Diese erwartete uns nach nur wenigen Metern und beschäftigte die Jungs lange, eine halbe Ewigkeit.

Tolle Konstruktion, dachte ich. Ein Hoch auf die fleißigen Pfadfinder, welche die geniale und ziemlich lange Murmelbahn im Jahr 2019 bei einer 72-Stunden-Aktion aufbauten! Unsere zwei Jungs ließen die Holzkugeln, die kostenlos zur Verfügung standen, immer wieder nach unten rollen und wir benötigten mehrere Anläufe, um sie zum Weitergehen zu bewegen.

Das nächste Highlight folgte schon bald: Die Hängebrücke. Die Jungs erspähten sie und liefen direkt darüber. Ups. Natürlich hatten sie das Schild nicht gelesen, das darauf hinwies: Immer nur zwei Menschen auf der Brücke! Sie können ja noch nicht lesen. Und wir waren nicht so schnell, um sie aufzuhalten. So brachten unsere Jungs die aktuellen Brückenüberquerer mit ihrer Freude gehörig ins Schaukeln. Die nahmen es ihnen Gott sei Dank nicht übel. Weitere freundliche Menschen ließen uns dann bei der Überquerung den Vortritt: Bevor die Jungs noch weiter laufen und über alle Berge sind… Das war nett. Immerhin waren auch die Jungs nett: Sie warteten auf der anderen Seite auf uns. Dort stellten wir aber rasch fest: Eigentlich müssen wir auf der anderen Seite weitergehen, auf der wir vorher waren. Also umdrehen, zurück über die Brücke, nach rechts drehen und weiter.

Die Hängebrücke kannte ich noch von unserem letzten Besuch auf dem Erlebnispfad – die folgenden Meter ebenfalls, denn das war die Richtung gewesen, aus der wir damals gekommen waren. Und so hatte die Strecke einen hohen Wiedererkennungswert für mich: Der „Baum auf dem Kopf“, der die Wurzeln Richtung Himmel streckt, der hölzerne Pfad, die große Buche. Danach würde bald die Villa Rustica kommen, wo einst die alten Römer wohnten. Aber so weit kamen wir nicht. Die Jungs bewegten sich kaum vom Fleck. Sie spielten sich bei jeder Gelegenheit fest. Faszinierend!

Ich musste innerlich lachen, als sich die kleinen Wilden an der Station mit der großen Buche in den Wald verabschiedeten und dort nicht mehr weg wollten. Was hatte mein Junior im Auto gesagt, als er erfuhr, wohin der Ausflug geht? „Och nee, nicht schon wieder in den Wald! Immer in den Wald! Ich mag zu ihm nach Hause! Oder in den Abenteuerwald nach Gonsenheim, zum Spielen! Nicht wieder laufen, laufen, laufen!“ Ich hatte versucht ihm klar zu machen, dass seine Mutter gerne mal wieder ein paar Meter laufen möchte und es in einer Familie auch dazu  gehört, dass jeder sich etwas wünschen darf – nicht nur die Kinder. Am Ende siegte aber ganz offensichtlich seine Version – auch im Binger Wald: Vom Erlebnispfad sahen wir letztlich wohl nicht mehr als 1,5 Kilometer. Sie Jungs hatten unsere Wanderung zum Mega-Abenteuerwald-Ausflug erklärt und waren stets nach wenigen Schritten wieder so in ihr Spiel vertieft, dass wir sie nicht vorwärts bekamen. Aber das ist wohl auch verständlich. Wer könnte solch einem edlen Tipi widerstehen?! Geht nicht! Gerade unsere kleinen Baumeister sahen sich eher dazu aufgefordert, weitere Stöcke heranzuschleppen.

Hunger, Pipi, kalt. Quengelige Muttis. Ungewohnt. Und ja, wir fühlten uns wirklich schlecht, dass wir sie vom Tipi wegzogen, um irgendwann zu einer Toilette, einer Portion Pommes und zur Jacke im Auto zu gelangen. Aber es war einfach absehbar, dass noch diverse Zwischenstopps folgen würden. Beim „Baum auf dem Kopf“ interessierte sie der Baum so gar nicht. Aber der Baumstumpf daneben, auf den sie gemeinsam kletterten, um Stöckchen nach den kleinen Tannen zu werfen. „Wir spielen Dart. Ich hab 15 Punkte!“, erklärten sie. Auf die ausgiebige Dartrunde folgte dann Zielwerfen: Die Kugel muss ins Erdloch! „Ähm… Jungs…?! Wir würden nun wirklich gerne weiter!“ (Unsere Begleiter waren am Nachmittag noch zum Grillen eingeladen. Wir konnten also tatsächlich nicht an gefühlt jedem zweiten Grashalm eine halbe Stunde stehen bleiben.)

Als wir dann wieder am Forsthaus Heiligkreuz ankamen, freuten sich auch die Jungs auf Pommes und Chicken Nuggets. Übermütig, kaum zu bremsen, nicht einfach zu bändigen. Aber das Servicepersonal war gnädig: Unser Essen kam nach der Bestellung rasend schnell auf den Tisch und die hungrigen Mäuler mussten ihre Albernheiten und lautstarken Erzählungen zumindest gelegentlich zum Kauen unterbrechen. Wir Mamas zogen die gleichen Schlüsse aus dem Restauranterlebnis mit aufgekratzen und sehr glücklichen 5jährigen: Beim nächsten Mal packen wir zum Wohle unserer Nerven lieber ein Picknick ein. Kein Stress im Restaurant, gemütlicheres Verweilen bei den zahlreichen Spielpausen.

Der Sonntagsausflug zum Erlebnispfad im Binger Wald war also erneut ein kleines Lehrstück. Wir alle übten uns in Zuversicht, als wir uns zu Beginn nicht finden konnten. Wir Muttis übten uns in Gelassenheit, als die Kinder nicht wie gewünscht mit uns den Rundweg gingen, sondern ganz selbstverständlich mit ihren Gedanken und Spielen völlig im Wald abtauchten. Und die Jungs haben bei diesem Ausflug hoffentlich endlich abgespeichert, dass die Natur ein großartiger Spielplatz ist und Ausflüge in den Wald ein Grund zur Freude, nicht zum Jammern.

Der Erlebnispfad im Binger Wald ist also noch immer nicht „bezwungen“. Irgendwann werde ich mich erneut für 45 Minuten ins Auto setzen und dorthin fahren – mit oder ohne kleine Begleiter. Aller guten Dinge sind drei, sagt man. Dann läuft es bestimmt rund mit dem Rundweg!

Wer nun neugierig geworden ist: die Website des Erlebnispfads Binger Wald gibt euch einen guten Überblick über die zahlreichen Stationen. (Ich hab leider vergessen, euch ein Foto vom Übersichtsplan zu machen.) Viele Stationen sind „nur“ Erläuterungen zu diversen Baumarten. Anderes ist kreativer, wie das Baumtelefon. Tipps zum Motivieren oder Einfangen kleiner Waldgeister in Menschengestalt fehlen aber bislang…

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