Gedanken · Raus aus Mainz

Mama macht Abenteuer – und Schatzsuchen

Langweilig? Die Kinder wollen nicht aus dem Haus? Und dann noch all die coronabedingten Einschränkungen im Winter 2020? Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, sondern eine gute Gelegenheit, um mit euren Kindern kleine Abenteuer unter freiem Himmel zu erleben. Mit den richtigen Lockmitteln klappt das bestimmt! Wie wäre es mit einer Schatzsuche?

Kinder lieben Schatzsuchen und im Laufe der Zeit habe ich diverse Geburtstagsschatzsuchen planen müssen, um jeweils altersgerecht Spannung, Spiel und Schokolade bieten zu können. Im Kita-Alter machte ich Fotos von den Orten, an denen der nächste Hinweis auf die Kids wartete und kombinierte das mit kleinen Aufgaben. Unvergessen war auch der Geburtstag im Mia-and-me-Style zum 5. Geburtstag unserer mittlerweile 12jährigen Tochter. Da sammelten wir auf dem Weg Trumptusteile, ganz wie Mia und ihre Freunde in der TV-Serie. Naja, unsere Einzelteile waren aus Pappe – aber am Ende ließen sie sich zusammenpuzzlen. Und zur Belohnung gab es den Schatz! Dieses Jahr jagten wir Junior durch den Ort und ließen die Jungs und Mädels ganz viele Aufgaben bewältigen: Dreibeinlauf, kreative Parkbanküberquerungen, ein Anruf bei der Schatzhexe, das Singen eines Geburtstagsliedes, Eierlauf,… es gab viel zu tun, bis wir am Ende auf einem Spielplatz ankamen und die Kinder die Schatztruhe im Gebüsch fanden. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mit jedem Jahr weniger motiviert bin, mir neue Schatzsuchen auszudenken und durchzuführen – vielleicht, weil ich immer viel Zeit darauf verwende, eine passende Route und gute Verstecke zu finden, abwechslungsreiche Aufgaben zu stellen und natürlich auch einen schönen Schatz zu packen. Im Internet stieß ich auf Websites, auf denen man Konzepte für fertige Schatzsuchen kaufen kann. Man muss sie also nur noch dem Plan gemäß umsetzen, aber selbst nicht kreativ werden. Ich habe es nie ausprobiert, ob diese Pläne tatsächlich aufgehen und sah es immer als Liebesbeweis, mir selbst Gedanken zu machen… aber nun fiel mir eine fertige Schatzsuche sozusagen vor die Füße! Wie es dazu kam und wie es war, will ich euch gerne erzählen.

Adventure up your life – der Charme von Mikroabenteuern

Im Sommer war ich bei Facebook zufällig auf Stefanie Seitz und die Mikroabenteuer aufmerksam geworden. Stefanie ist Chemikerin, angehende Natur- und Umweltpädagogin in der Pfalz und Mutter. Und weil sie einen Faible für kleine Abenteuer in der Natur hat, teilt sie ihre Erfahrungen mittlerweile unter dem schönen Titel „Mama macht Abenteuer“ (das ist auch der Name ihrer Website).

Im August versorgte Stefanie einige neugierige Mütter wie mich über vier Wochen hinweg mit wöchentlichen Inspirationen rund um kleine Alltagsabenteuer und ermunterte dazu, mit den Kindern in die Natur hinaus zu gehen. Raus aus der Komfortzone, rein ins Leben. Es war auf jeden Fall spannend, ihren Onlinekurs in der Beta-Version testen zu dürfen. Die Große ließ sich schnell begeistern, so dass wir uns bald für eine Nacht unter freiem Himmel entschieden – wenn auch einfach nur im heimischen Garten. Also ganz unkompliziert und dennoch ein Erlebnis. Ein Mikroabenteuer eben. Viel geschlafen habe ich allerdings nicht. Zu viele ungewohnte Eindrücke und Geräusche hielten mich wach. Faszinierend, wie lang und laut die Grillen am Abend zirpen und wie unfassbar früh der Zeitungsausträger an den Briefkästen klappert! Am schönsten war das Aufwachen in der Morgensonne. Während die Große neben mir überraschend lange schlief, las ich gemütlich unter meiner warmen Decke mit der Nase in der milden Morgenluft.

Ganz grundsätzlich zeigte mir der Onlinekurs, dass wir eigentlich schon recht aktive Mikroabenteurer sind, die sich gelegentlich raus in den Wald wagen, ein Feuerchen für Stockbrote machen oder sich mit Taschenlampen ins dunkle Feld wagen. Grundsätzlich bin und bleibe ich wohl ein Fan von „Spielplatz, Latte Macchiato & nette Gesellschaft“, aber ich verlagere das Programm gerne auch an andere Orte und liebe es, die Gegend zu erkunden. Meine Kinder sind eben (noch?) keine Wandervögel, sondern vorwiegend Ball-Junkies und da verfahre ich mittlerweile nach dem Motto: Jeder soll auf seine eigene Art glücklich werden. Nun… im November wird es jedoch keinen Vereinssport geben. Damit entsteht bei meinen Kindern eine nennenswerte Lücke im gewohnten Wochenprogramm. Zu Stubenhockern sollen sie aber dennoch nicht werden. Und so war es natürlich ideal, dass Stefanie eine Mail schrieb und fragte, ob ich nicht auch Lust hätte, ihr neuestes Angebot zu testen: Eine Schatzsuche im Wald, die in den kleinen Waldstücken Rheinhessens genauso funktioniert wie im Pfälzer Wald. Au ja!

Herbstliche Schatzsuche im Wald – Stefanie sei Dank

An einem ruhigen Abend schaute ich mir die beiden kurzen Videos mit Stefanies allgemeinen Erklärungen zum Ablauf der Schatzsuche an. Im nächsten Schritt las ich mich durch ihr „Handbuch“, ein ansprechend gestaltetes PDF mit Anleitungen für die Mama (oder wer auch immer Chef der Schatzsuche wird), Materiallisten und den Aufgabenstellungen für die Kinder. Erster Eindruck: Ja, das lässt sich machen. Und zugleich Spannung: Wird es klappen? Haben die Kinder Lust auf die Erfüllung der Aufgaben, die einen hohen Naturbezug haben? Aber klaro… für einen Schatz tun sie im Zweifelsfall ja sogar Sachen, auf die sie keine Lust hätten…

Wichtig waren dann noch die elementaren Grundfragen „Wann?“ und „Wo?“. Wald… nun ja, da gibt es einfach nicht so viel hier. Bietet sich primär der Lennebergwald in Gonsenheim oder der Ober-Olmer Wald an. Oder wir fahren rüber in den Wiesbadener Norden, was aber eigentlich unnötig aufwändig ist. Und dann noch das „Was?“: Was ist der Schatz?

Letztlich zog es uns an einem sonnigen Novembersonntag in den Ober-Olmer Wald, zusammen mit Juniors Freundin und deren Mama. Mein Liebster leistete uns ebenfalls Gesellschaft. Nachdem Junior mich vorab gefragt hatte, ob es denn auch eine Schatzkarte geben würde, ergänzte ich Stefanies Material, indem ich eine Karte auf Basis von Google Maps ausdruckte und dort sehr willkürlich die Stationen markierte bzw. vermerkte, auf welchen Abschnitten des Weges die jeweiligen Aufgaben zu lösen sein. Das war natürlich ein wenig mutig, denn ich kenne den Ober-Olmer Wald nicht wie meine Westentasche und musste hoffen, dass am Ende alles gut zusammen passt. Ich kann verraten: Ja, es hat gepasst. Allerdings haben die Kids sich auch nicht sonderlich an der Karte orientiert. Das Eintragen der Lösungswörter war ihnen ebenfalls nicht wichtig. Das hatte den ganz praktischen Effekt, dass wir sehr, sehr flexibel in den Aufgabenstellungen waren.

Ich fand es total praktisch, dass ich bei der Schatzsuche Bezug auf Stefanie nehmen konnte: „Die mag Kinder und Wälder und deshalb hat sie für uns eine Waldschatzsuche organisiert, bei der wir einige Aufgaben erfüllen sollen.“ Die Aufgaben funktionierten alle bestens und ich genoss es, dass ich mir dieses Mal selbst nicht groß Gedanken machen musste. Zugleich schienen wir ein eigenes Bedürfnis nach Kreativität zu entwickeln und dachten uns spontan ergänzend eigene Aufgaben aus, die sich aus der Situation ergaben: Auf dem Parkplatz ließen wir die Kinder verschiedene Automarken suchen und bei einer Picknickpause stellen wir amüsiert fest, dass wir zwei kleine Koala-Kinder an unserer Seite hatten: Es war so süß, wie sie sich eine kleine Ewigkeit lang an einem dünnen Baumstamm festklammern konnten.

Zwei Aufgaben übersprangen wir schließlich aber unauffällig, obwohl sie eigentlich ganz gut waren. Es passte einfach gerade nicht mehr richtig: Die Kinder hatten sich als fleißige Naturerkunder erwiesen und waren nach etwa 90 Minuten nicht mehr so gut zu fesseln. Deshalb bewegten wir uns Richtung Auto zurück und ließen sie währenddessen einfach ihr Ding machen. Als sie sich ein Stückchen entfernt hatten, nutzte ich die Gelegenheit und versteckte die Tasche. Dann verkündete ich, dass ich nun alle Lösungswörter eingetragen hätte und sie nach [wird hier nicht verraten] suchen müssen. „Der Schatz muss hier ganz in der Nähe sein!“

Im Schatz waren übrigens neben einer süßen Belohnung (Gummibärchen) zwei Bastelsets für Lebkuchenhäuser. Das fanden die Kids natürlich prima und wollten dementsprechend direkt nach Hause, um Hexenhäuser zu verzieren. Dafür war es an jenem Sonntag aber schon zu spät. Erst ein paar Tage später wurden sie – jeder bei sich daheim – kreativ.

Die Große wollte natürlich auch kreativ werden – obwohl sie nicht bei der Schatzsuche dabei war. Und selbstverständlich hatte ich auch für sie ein Hexenhaus-Set parat bzw. sogar zwei, damit auch sie – so wie Junior – ein hübsches Event mit einer ihrer Freundinnen daraus machen kann. Gestern war es nun soweit: Wir hatte eine ihrer liebsten Freundinnen als Übernachtungsgast bei uns. Abends saßen sie am Esszimmertisch und gestalteten ihre Häuser. Am Ende natürlich der Hinweis an den kleinen Hänsel (= Bruder): „Wehe, du knabberst Süßigkeiten von meinem Haus herunter!“ Sein Haus hatte nicht lange gehalten, wie man im Foto unten erkennen kann: Es ist bereits nach wenigen Tagen geräubert worden.

Schatzsuche für Teenies – ganz smarte Version

Während die Kleinen sich ihr Hexenhäuschen auf der Wald-Schatzsuche verdienen mussten, bestand die Herausforderung für die Großen primär darin, dass sie es selbst zusammenbauen sollten, also ohne meine Hilfe. Als ich den viel zu dünnflüssigen Puderzuckerkleber sah, mit dem sie zu werkeln begannen, war ich ein wenig fassungslos über ihre Faulheit: „Na, ihr habt euch mal wieder nicht die Mühe gemacht, die Anleitung zu lesen!“ Ein geflügeltes Wort, das sich in solchen Situationen regelmäßig als sehr wahr erweist: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Abgesehen von derartigen Bequemlichkeitsanfällen freuen sich die Mädels aber noch immer über kleine Challenges, die sie aus ihrer Komfortzone holen. So zeigten sie sich an diesem Abend motiviert, sich zumindest die Chips zu verdienen, die sie zu ihrem Filmabend knabbern wollten. Auftrag an die Mama: „Ach, wenn du spazieren gehst, dann versteck die Chips für uns. Wir suchen sie dann.“

Ich ging also mit den Chips auf Rundwanderung durch den abendlichen Ort. Das Spielprinzip ist denkbar einfach: Die Mädels mussten die Reise der Chipstüten nachverfolgen. Los ging es am Kreuz. Hm, wo ist das nur? Ebersheim hat mehrere Kreuze in dieser Art. Und tatsächlich liefen sie erst zum falschen. Dann fanden sie das richtige. Den Halt galt es mit einem Selfie zu bestätigen.

Sobald ich das Foto von ihnen bekommen hatte, schickte ich ihnen das nächste Hinweisbild. Bis sie nach sechs Stationen und 40 Minuten eine ordentliche Runde durch Ebersheim gedreht hatten und die beiden Chipstüten schließlich im Dunkeln auf einem unserer Spielplätze vorfanden. So hatten also auch die jungen Damen ihre Schatzsuche gehabt – in Form einer smarten Rallye, mit der sich auch Teenies vor die Tür locken lassen. Und am Ende bleiben nette Erinnerungsfotos übrig.

Ein Kommentar zu „Mama macht Abenteuer – und Schatzsuchen

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