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Den Alltag bespielen: Mama und Sohn auf dem (eigentlich!) öden Unicampus der JGU Mainz

In diesem coronabedingten Homeoffice-Jahr 2020 ergab es sich immerhin zweimal, dass Junior mit mir auf den Mainzer Unicampus ging: Einmal in der warmen Jahreszeit zum Bücher-in-die-Unibib-bringen, einmal im Dezember, um einer Arbeitskollegin ihr verspätetes Geburtstagsgeschenk vorbei zu bringen. Bei beiden Malen hatten Junior und ich überraschend viel Spaß, weil wir feststellten, dass der im Grunde total banale Unicampus sich ganz hervorragend bespielen lässt. Dafür benötigten wir nur ein kleines bisschen Kreativität. Lasst uns die Welt mit Kinderaugen sehen und zu einem großen Spielplatz machen!

Der unsichtbare Spielplatz beginnt bereits am Haupteingang, dem großen Portal, das zum Forum universitatis führt, wo u.a. die Hochschulleitung ihre Büros hat. Ich mochte das Portal schon immer gerne und weiß noch, wie ich vor rund 20 Jahren erstmals hindurch gegangen bin, bei einem Tag der offenen Tür. Die altmodisch klingende Bezeichnung der „Alma mater“ empfinde ich durchaus als passend, denn dieses „mütterliche“, dieses Gefühl von Familie,… ja, irgendwie ist es tatsächlich vorhanden. Der Mainzer Unicampus ist gewiss keine klassische Schönheit, sondern hat zahlreiche Stellen, bei denen ich mich über Jahre hinweg frage: „Echt jetzt? Abrissreife Gebäude auf einem Campus, der dringend Raum für die Studierenden und Lehrenden benötigt?“ Ein sehr betrüblicher Anblick, der die Frage aufkommen lässt, was Bildung und Wissenschaft in unserem Land wirklich wert sind. Aber gleichwohl: Auch wenn meine Alma mater nicht perfekt und wunderschön ist – sie ist meine Heimat und ich fühle mich ihr verbunden wie eine Tochter ihrer Mutter. Ja, tatsächlich.

Meine Große bekam ich am Ende meines Studiums. Sie wurde damals mit dem Kinderwagen über den Campus gefahren. Mein Junior spurtete nun in seiner ausgelassenen Lebendigkeit durch die Unistraßen und gemeinsam mit ihm entdeckte ich meine Uni mit neuen Augen. Bereits am Haupteingang, diesem mittlerweile sehr weiten, übersichtlichen Platz, genoss ich es, ihn einfach laufen lassen zu können. In Corona-Zeiten sowieso, auf einem fast leeren Campus. Die Uni befand sich 2020 vorwiegend im Notbetrieb. Früher, als ich mein Büro im Forum universitatis hatte, wohnten die Uni-Kaninchen noch hier auf den zwischenzeitlich stark reduzierten Grünflächen und boten mir jeden Morgen einen herzerwärmenden Anblick. Die Umbaumaßnahmen für die Straßenbahnanbindung mit der sogenannten Mainzelbahn zwangen sie leider zum Umzug…

An den großen Eingangssäulen spielten wir verstecken. Acht Säulen, die breit genug sind, um dahinter zu verschwinden. Wir liefen Slalom um all die Pfosten, die auf dem Campus häufig zu finden sind (beim nächsten Mal nehme ich einen Ball mit). Wir balancierten über Mäuerchen und Stromkabelabdeckungen. Junior kletterte über dekorative Felsen, mit kleinen, bunten Steinchen an der Baustelle des alten Wiwi-Gebäudes legten wir ein Mosaik auf eine Bank.

Zuvor hatte ich auch noch nie über die gelegentlich aus der Erde ragenden Rohre nachgedacht. Die gibt es mehrfach auf dem Campus. Ihr eigentlicher Zweck hat sich mir noch nicht erschlossen, aber wir gaben ihnen einen spielerischen Zweck und nutzten sie als Ziele, um kleine Steinchen hineinzuwerfen. Ebenfalls noch nie wirklich wahrgenommen hatte ich, wie viele Hydranten auf dem Campus verstreut stehen. Es sind wirklich, wirklich viele. Eine gute Gelegenheit, um zählen zu üben, und die Aufmerksamkeit zu schulen: Wer sieht den nächsten Hydranten zuerst?! Klingt banal, ist aber lustig.

Und dann gibt es auf dem Unicampus noch ganz viele Kleinigkeiten zu entdecken, die eigentlich überall zu entdecken sind, insbesondere in Städten, weil es immer irgendwelche Menschen gibt, die meinen, ihre Umgebung mit ihren Botschaften versehen zu müssen: Aufkleber und Graffiti. In Mainz gibt es jemanden, der gerne Monster malt. Ich habe eines im Treppenhaus meines Büro-Gebäudes, das von einer Lampe auf die Leute herab schaut. Und wenn man gezielt nach ihnen Ausschau hält, entdeckt man schnell viele Monster-Kumpels. Das fand auch Junior spannend. Er untersuchte jeden Pfahl und jede Säule, jede Mauer und sowieso alles auf Monster. Und wenn es keine gab, entdeckten wir dafür oft interessante Aufkleber. Schöne, interessante, irritierende, doofe,… Die Uni ist auch in ihren kleinen Details bunt und vielfältig, mit ansprechenden und eher abstoßenden Anteilen. Das macht sie spannend.

Auf dem Weg zur Zentralbibliothek kommt man von der einen Seite am Philosophicum und am noch recht neuen Georg-Forster-Gebäude vorbei, die großartige Treppen und Vorplätze haben, Rosen zu beschnuppern, Statuen zu bewundern,… Auf der anderen Seite der Bib ist das „Uniwäldchen“. Es ist sehr klein, aber irgendwie nett. Toll, dass es noch nicht für irgendwelche Gebäude weichen musste, sondern eine kleine, grüne Auszeit innerhalb des Unialltags bietet, mit Bänken zum Lesen und In-der-Sonne-sitzen. Mit Junior besuchte ich das Wäldchen während unseres Sommerausflugs und er wollte wirklich lange dort verweilen. Er sammelte Kletten und Hölzchen, wir machten Fotos auf einem abgesägten Baumstamm stehend,… Kleinigkeiten, aber für ein Kind sehr kurzweilig. Und ich fand es toll, so ein zufriedenes, interessiertes und kreatives Söhnchen zu haben. Nach der „Waldeinheit“ spendierte ich ihm noch ein Eis in der Cafeteria.

Einen für mich so alltäglichen Ort mit neuen Augen zu sehen, war sehr anregend. Unsere vermeintlich total öööööden Ausflüge erwiesen sich beide als überaus hübsch. Dabei kennt Junior das heimliche Highlight noch gar nicht: Den Botanischen Garten der Johannes Gutenberg-Universität, der wirklich zu jeder Jahreszeit ein Wohlfühlort ist. Aber wir kommen ja ganz gewiss einmal wieder!

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